Interpretation

Die Parabel „Der gute Mensch von Sezuan“ hat verschiedene Themenschwerpunkte, unter denen man das Stück interpretieren kann. Wenn Du gern einige Denkanstöße für Deine eigene Deutung hättest, bist Du hier haargenau richtig. 

Diese Interpretation beleuchtet Brechts bekanntestes Stück im Hinblick auf mehrere Themen. Das dargestellte Menschenbild wird erklärt, es wird auf die Funktion des Stückes als Parabel eingegangen, und Du erfährst, wie hier zwischen Gut und Böse unterschieden wird. 

Außerdem wird schrittweise dargestellt, an welchen Stellen das Stück den Kapitalismus porträtiert, und die Rolle der Götter wird unter die Lupe genommen. Zahlreiche Textbeispiele und Seitenangaben illustrieren die hier vorgestellten Lesarten, damit für Dich alles nachvollziehbar ist.

Zusammenfassung

Als gesellschaftlich problematisch wird zum einen die Religion dargestellt, welche in „Sezuan“ bedeutungslos geworden ist, da die Götter machtlos sind. Trotzdem gibt es Menschen, die sich den Göttern unterwerfen, wie der Wasserverkäufer Wang. Er hält sich selbst dadurch davon ab, sich weiterzuentwickeln.

Wirtschaftlich ist problematisch, dass Sezuan kapitalistisch und zum Teil industrialisiert ist. Es gibt wenige Reiche und viele Arme. Die Armen werden rücksichtslos ausgebeutet, die Reichen profitieren davon. Durch die Armut sind die Menschen gezwungen, schlecht zu handeln: Sie müssen alle Mittel in Betracht ziehen, nur, um nicht zu verhungern. Es ist nicht möglich, gut zu sein, ohne ausgenutzt zu werden, da es so viele Arme gibt, die auf Gutherzigkeit angewiesen sind. Wenn die Menschen eine industrielle Arbeit finden, arbeiten sie unter schlimmen Bedingungen und bleiben aufgrund der niedrigen Löhne trotzdem arm.

Die Besitzenden stellen die bürgerliche Schicht dar, an welcher Brecht auch gern Kritik übt: Sie wollen ihren Reichtum auf Kosten der Armen vermehren – sie handeln egoistisch und eigennützig. Was die Problematik lösen könnte, und darauf will Brecht wohl hinweisen, ist sozialer Ausgleich. Wenn der Reichtum in Sezuan besser verteilt wäre, hätten die Armen es nicht mehr nötig, Freundlichkeit auszunutzen und zu versuchen, ihre eigene Haut zu retten. Bessere Lebensbedingungen würden allen ein besseres Leben ermöglichen.

Die totale Gleichheit durch sozialen Ausgleich sei ein Ideal, das aus der politischen Ideologie des Sozialismus und Kommunismus entstehe, meinte Brecht. In diesen (idealtypischen) Gesellschaftsformen solle die Religion auch keine Rolle spielen. Brecht wollte mit seinem Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ den Zuschauer darauf stoßen, dass der gute Mensch sich aber in einer sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaft entfalten könnte.