Der Kapitalismus in „Sezuan“

„Der gute Mensch von Sezuan“ scheint zunächst in einem fernen Land, jedoch auch in einer anderen Zeit als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu spielen. Die Geschichte spielt in einer Stadt in China, die „halb europäisiert ist“ (S. 6). Damit ist gemeint, dass hier die beginnende Industrialisierung und das kapitalistische System die wirtschaftliche Ordnung bestimmen. Der Industrialisierungsprozess ist aber noch nicht so etabliert und entwickelt wie in den europäischen Ländern, wo der Kapitalismus im Laufe der Zeit mit Sozialmaßnahmen reguliert worden ist.

Die Gesellschaft in Sezuan ist kapitalistisch aufgebaut: Wenige Besitzende leben im Wohlstand (die Hausbesitzerin, der Barbier) und sind nur an der Vergrößerung ihres Kapitals interessiert. Die vielen anderen haben wenig bis nichts. In dieser frühen Entwicklungsphase der Industrialisierung, in welcher die Provinz Sezuan sich befindet, haben sich dementsprechend noch nicht die wichtigen sozialen Veränderungen vollzogen, die den Kapitalismus langsam menschenfreundlicher erscheinen ließen. In Sezuan verursacht der ungeschliffene Kapitalismus eine erhebliche soziale Ungleichheit, die in dem Schauspiel deutlich illustriert wird.

Brecht möchte mit seinem Schauspiel auf die Missstände des Kapitalismus aufmerksam machen. Das Stück soll wie eine Parabel verstanden werden, die zeigt, welche schle...

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