Bertolt Brecht

Bertolt Brecht war einer der berühmtesten und einer der politisch engagiertesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er war vor allem Dramatiker, hat aber auch Prosa und Lyrik geschrieben und Literaturtheorien aufgestellt. Seine Werke sind international anerkannt und ausgezeichnet worden.

Am 10. Februar 1898 wird Eugen Berthold Friedrich Brecht, der sich später Bertolt Brecht nennt, als Sohn von Berthold Brecht, einem leitenden Angestellten und späteren Papierfabrikdirektor, und Sophie Brecht (geb. Brezing) in Augsburg geboren. Der reservierte und immer kränkelnde Eugen besucht von 1904 bis 1908 die Volksschule, wo er sich nach eigenen Aussagen vier Jahre lang langweilt. Er lebt in bürgerlichen Verhältnissen in einer wohlhabenden Familie. Seine liebevolle Mutter kümmert sich um ihn und um seinen jüngeren Bruder.

In seiner Gymnasialzeit in Augsburg setzt er sich mit Literatur und Theater auseinander. Er schreibt schon Gedichte und kurze Erzählungen für die lokale Zeitung. Sein erstes Theaterstück „Die Bibel. Drama in 1 Act“ erscheint in der Schülerzeitschrift. Er nimmt Stellung gegen den Ersten Weltkrieg und verfasst 1915 einen pazifistischen Aufsatz, in dem er Vaterlandsliebe und Heldentod scharf kritisiert. Diese Schrift provoziert einen Skandal an der Schule. Nur die angesehene Stellung seines Vaters und die Intervention eines Lehrers ersparen Brecht einen Schulverweis.

Brecht macht sein Abitur während der Zeit des 1. Weltkrieges (1917) und wird im letzten Kriegsjahr noch als Lazarettsoldat eingezogen. Danach studiert er in München Medizin, Naturwissenschaften und Literatur – wobei sein Fokus aber damals schon auf der schriftstellerischen Tätigkeit liegt. Weitere Stücke entstehen während der Studienzeit. Das Drama „Baal“ wird nach seiner Veröffentlichung zunächst verboten. Das gesellschaftskritische Stück handelt vom kurzen Lebensweg eines jungen, unangepassten Dichters.

Brecht wird bereits im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal Vater – mit seiner Freundin Paula Banholzer bekommt er einen Sohn. Die Beziehung zu Paula ist aber nicht von Dauer. Brecht heiratet 1922 die Opernsängerin Marianne Zoff, mit der er eine Tochter hat. In diesem Jahr wird zum ersten Mal eines von Brechts Stücken, „Trommeln der Nacht“, auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere in Berlin macht Brecht Bekanntschaft mit Helene Weigel.

1924 zieht Brecht nach Berlin und wird Dramaturg am Deutschen Theater. Er arbeitet zusammen mit Carl Zuckmayer für Max Reinhardt. Brecht ist ein kritischer Geist, ein Kriegsgegner und Lebensgenießer. In seinen Stücken zeichnet sich deutlich seine sozialistische bis kommunistische politische Haltung ab. Brecht schreibt sogenannte Lehrstücke, um seine vom Marxismus inspirierten Ansichten darüber, was an der gesellschaftlichen Ordnung seiner Meinung nach zu verändern sei, zu verbreiten. Brecht bindet sich jedoch nicht an eine Partei und wird also nicht Mitglied der KPD.

Helene Weigel bringt 1924 einen gemeinsamen Sohn zur Welt. Ein Jahr später lässt Brecht sich von Marianne scheiden und heiratet schließlich 1929 Helene Weigel. Aus Brechts zweiter Ehe geht eine weitere Tochter hervor. Brechts Ehe verläuft alles andere als monogam: Im Laufe seines Lebens hat der Schriftsteller neben seiner Ehefrau verschiedene Geliebte – manchmal sogar mehrere gleichzeitig.

1928 hat das Stück Uraufführung, das Brecht zum Durchbruch verhilft: „Die Dreigroschenoper“. Die Oper, zu der Kurt Weill die Musik geschrieben hat, wird im Theater am Schiffbauer Damm in Berlin zum ersten Mal dem Publikum gezeigt. Hier wird auch ein neues Theaterkonzept vorgestellt, das Brecht konzipiert hat: das epische Theater. Anstatt dem Zuschauer die Illusion einer Welt zu erschaffen, in die er sich einleben kann, wird das Publikum in dieser Form durch Verfremdungseffekte gerade darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um ein Theaterstück handelt. Der Zuschauer soll das Geschehen auf der Bühne mit kritischer Distanz betrachten.

Als der Nationalsozialismus in Deutschland auf dem Vormarsch ist, bleibt Brecht nicht dort. Einen Tag nach dem Reichstagsbrand 1928 emigriert er mit seiner Familie nach Prag. Er zieht in den nächsten Jahren weiter über Österreich und die Schweiz bis nach Dänemark. Als der Krieg auch in dem nordischen Nachbarland Deutschlands auszubrechen droht, flieht Brecht weiter nach Schweden und anschließend nach Finnland. Von dort aus emigriert Brecht 1941 in die USA.

In Deutschland stören 1929 unterdessen Anhänger der NSDAP die Aufführung der Weill-Brecht-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony“ und provozieren einen Skandal. Brecht passt wegen seiner den Kommunismus bejahenden Inhalte genau ins Feindbild der Nationalsozialisten. 1932 wird der Film „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“, an dem Brecht mitgewirkt hatte, eingezogen und erst nach Protesten schließlich in Moskau aufgeführt. 1933 werden Brechts Werke Opfer der Bücherverbrennung. Und 1935 wird dem Schriftsteller die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Brecht lebt in den 1940er-Jahren in Santa Monica und befindet sich in Gesellschaft vieler Intellektueller und Künstler, unter ihnen Heinrich und Thomas Mann. Doch auch in den USA eckt der sehr politische, freidenkende Schriftsteller an. Er schreibt eine neue Fassung seines Stückes „Das Leben des Galilei“. Als die amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen werden, gerät das Stück in den Fokus: Es geht darin nämlich unter anderem um die Frage danach, inwiefern Wissenschaftler Verantwortung für die Folgen ihrer Erkenntnisse tragen. Brecht wird vom Komitee für unamerikanische Tätigkeiten vorgeladen. Der Schriftsteller zieht daraufhin wieder zurück in die Schweiz. „Das Leben des Galilei“ wird 1947 in Beverly Hills uraufgeführt.

1949 schließlich zieht Brecht nach Ostberlin. Hier wird Helene Weigel mit der Gründung des Berliner Ensembles beauftragt. Brecht wird der Spielleiter des Theaters. Er bekommt 1951 den Nationalpreis der DDR. Bei den Aufständen um den 17. Juni 1953 ist Brecht zunächst aufseiten der SED und verteidigt das Vorgehen gegen die Demonstranten. Allerdings ändert er später seine Meinung dazu und distanziert sich von den Methoden der Partei.

Brecht wird 1954 Vizepräsident der Akademie der Künste in Berlin. Im Jahr darauf bekommt er den „Stalin-Preis“ verliehen. Er führt in seinen letzten Jahren eine Bewegung gegen die Aufnahme der BRD in die NATO an. Am 14. 08. 1956 verstirbt Bertolt Brecht an einem Herzinfarkt.

Brechts bekannteste Werke sind:

  • 1928: Die Dreigroschenoper 
  • 1931: Die heilige Johanna der Schlachthöfe
  • 1938/39: Mutter Courage und ihre Kinder
  • 1938/40: Der gute Mensch von Sezuan
  • 1944/45: Der kaukasische Kreidekreis

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