Steckbrief

Bei Steckbriefen handelt es sich um kurze, meist stichwortartige Personenbeschreibungen. Sie wurden früher deshalb von der Polizei verfasst, um öffentlich nach versteckten Kriminellen oder flüchtigen Verdächtigen zu fahnden. Auch Lebensläufe in Bewerbungen können den Charakter eines Steckbriefs besitzen. Der Bewerber präsentiert dort seine persönlichen Daten sowie beruflichen Kenntnisse anhand von Stichpunkten. Steckbriefe sind zudem sehr hilfreich, um vermisste Haustiere wiederzufinden.

Literarische Steckbriefe können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein und vielfältige Fakten in Bezug auf die zahlreichen literarischen Gattungen enthalten. Zum Beispiel wird eine Märchenfigur sicher ganz anders beschrieben als eine Romanfigur.  

Ein Steckbrief dient der Charakterisierung eines Protagonisten in einer Erzählung. Die Figur wird damit kurz und knapp mithilfe von Obergriffen vorgestellt, welche die wichtigsten Daten, Merkmale und Charakteristika der Figur zusammenfassen.

Die Autorin / der Autor des Steckbriefs bestimmt selbst, welche Informationen sie/er hervorheben möchte. Deshalb handelt es sich bei Steckbriefen um individuelle subjektive Dokumente, denn sie spiegeln die Auffassung des Verfassers wider.

Steckbriefe enthalten in der Regel den Vor- und Nachnamen der Person. Meistens nennen sie außerdem Alter, Beruf, Aussehen, Charakterzüge und spezielle Eigenschaften sowie Hobbys, Lieblingsessen oder Lieblingsaktivität. Die Kategorien kann man wie folgt beschreiben:

  • Persönliche Daten: Name, Spitzname, Alter, Geburtsdatum, Staatsganghörigkeit, Wohnort, Familie, Schule, Klasse, Job, Sternzeichen …
  • Körperliche Merkmale und besondere Kennzeichen: Größe, Gewicht, Haarfarbe und -länge, Augenfarbe, Brille, Tattoo, Ohrringe, Sommersprossen, Piercing, …
  • Vorlieben: Freizeitinteressen, Lieblingsessen, Lieblingsmusik, Lieblingsbuch, Lieblingsfarbe, Kleidungsstil, ...
  • Eigenschaften: Optimistisch, pünktlich, zuverlässig, egoistisch, wortkarg, reserviert, distanziert, freundlich, clever, kreativ, witzig, großherzig, temperamentvoll, tierlieb, diszipliniert, attraktiv …
  • Lustige Details und einzigartige Fakten: Frühaufsteher, Kaffeetrinker, wenig fotogen, Öko, Glückpilz, Pechvogel, Langschläfer ….  

Bei Steckbriefen handelt es sich nicht um umfangreiche Dokumente, sondern um kurze Texte, welche die wichtigsten Daten und Kennzeichen einer Figur präsentieren.  Sie passen in der Regel auf eine Seite und sind meistens in Stichworten geschrieben. Steckbriefe können aber auch als zusammenhängender Text verfasst werden.  

Nachfolgend werden einige Beispiele für Steckbriefe gegeben

Steckbrief: Stanley Yelnats IV.  (Louis Sachar „Löcher“)

Spitzname: Höhlenmensch

Alter: 14 Jahre

Aussehen: Weiße Hautfarbe, übergewichtig. Er ist der Größte der Gruppe D und wird durch das Ausheben unzähliger Löcher zunehmend muskulöser, dünner und kräftiger.

Verurteilt für: Angeblichen Diebstahl der Turnschuhe des Baseballstars Clyde Livingston

Rangordnung: Insasse in Camp Green Lake, Letzter in der Rangordnung von Gruppe D, Mitläufer; steigt in der Rangordnung zum Vorletzten auf, nachdem er einen seiner Funde an den Anführer X-Ray abgetreten hat.

Charaktereigenschaften: Klug, schüchtern, zurückhaltend, reserviert, schweigsam, geht Konfrontationen aus dem Weg; wird zunehmend mutiger und durchhaltestärker und ist zuletzt sogar furchtlos, loyal und hilfsbereit seinem Freund gegenüber, lieb und rücksichtsvoll gegenüber seiner Familie.

Besonderheiten: Wird anfangs deshalb vom Pech verfolgt, weil ein Fluch auf seiner Familie lastet, ist immer zur falschen Zeit am falschen Ort und wird deshalb unschuldig verhaftet; bringt Zero das Lesen bei und freundet sich als Einziger mit ihm an; bannt den Familienfluch, wird frei und nach der Entdeckung des Schatzes, der seiner Familie gehört, sogar reich.

 

Steckbrief: Wilhelm Tell (Friedrich Schiller)

Alter: mittleres Alter (zwischen 40 und 50 Jahre)

Wohnort: Bürglen in Uri

Familiäre Verhältnisse: verheiratet mit Hedwig, Vater von Walther und Wilhelm

Beruf: Alpenjäger

Aussehen: starker, kräftiger Körperbau

Lebensstil: lebt zurückgezogen mit seiner Familie in den Bergen

lebt von der Jagd, trägt die Armbrust immer bei sich

Charaktereigenschaften:  

• mutig

• hilfsbereit

• selbstlos

• aufrichtig (kann zunächst nicht lügen)

• freiheitsliebend

• vertraut auf Gott

• lebt in Harmonie mit der Natur

• handelt intuitiv, spontan, oftmals unüberlegt

• naiv und gutgläubig

• ist ein Mann der Tat – nicht der Worte

• ist ein sehr guter Schütze

• wandelt sich vom unbesonnenen Naturmenschen zum strategisch Handelnden, vom Einzelgänger zu einem Mitglied der Gemeinschaft

 

Funktion im Drama: Hauptfigur (= Protagonist), tötet den Tyrannen und leitet die entscheidenden Veränderungen ein

 

Steckbrief: Rainer Wenger (Morton Rhue „Die Welle“)

Rainer Wenger ist ein junger, ambitionierter Gymnasiallehrer mit sportlicher Statur und sehr kurzen Haaren. Er ist leger gekleidet, trägt oftmals Musik-Shirts und erlaubt seinen Schülern, ihn zu duzen. Er lebt zusammen mit seiner Frau Anke direkt an einem See.

Die beiden erwarten ein Kind. Im Film wird deutlich, dass Wenger sein Abitur über den zweiten Bildungsweg gemacht hat und in seiner Jugend ein linkspolitischer Aktivist war. Bei seinen Schülern ist er sehr beliebt. Außerdem trainiert Wenger das Wasserballteam der Schule. Im Laufe des Experiments verliert er zunehmend die Kontrolle und wird immer aggressiver. Man spürt jedoch, dass ihm seine Schüler sehr am Herzen liegen. Unter anderem erlaubt er Tim sogar, mit ihm und seiner Frau zu Abend zu essen.

 

Steckbrief: Janna-Berta Meinecke (Gudrun Pausewang „Die Wolke“)

Äußeres: Anfangs: vierzehn Jahre alt (S. 16); gute Sportlerin (S. 65); langes, helles Haar (S. 70)

Später: schmal, eingefallene Augen, spitzes Kinn, blasse Haut, stumpfes, struppiges Haar, sieht aus wie ein Gespenst (S. 82); Glatze (S. 104).

Info: Hauptfigur der Handlung und Gymnasiastin. Wird durch die Radioaktivität zu einer „Hibakusha“. Verliert beim Super-GAU ihre Eltern, ihre jüngeren Brüder Uli und Kai sowie ihre Großmutter mütterlicherseits. Wird im Nothospital versorgt, lebt dann unglücklich bei ihrer Tante Helga in Hamburg, später bei ihrer Tante Almut und ihrem Onkel Reinhard bei Wiesbaden. Dort engagiert sie sich politisch für die Überlebenden und lernt, ihr Schicksal zu akzeptieren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Am Ende der Handlung kehrt sie in ihr Heimatdorf Schlitz zurück.

 

Steckbrief: Krabat (Otfried Preussler „Krabat“)

Sonstiges:  Die Eltern der Hauptperson der Erzählung, des sorbischen Waisenjungen Krabat, sind verstorben, als er 13 Jahre alt war.  

Er ist zu Beginn der Geschichte mittellos und obdachlos und wird durch drei wiederkehrende Träume auf den Weg zur Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm geführt. Hier wird er von dem einäugigen Meister erwartet und beginnt bei ihm eine 3-jährige Lehre, in der er das harte Handwerk des Müllers erlernt.  

Am Anfang der Erzählung ist Krabat 14 Jahre alt, am Ende der dreijährigen Mühlenzeit 23 Jahre alt (in der Mühle zählt ein Jahr nämlich für drei Jahre).

Im ersten Jahr verliebt der ehrgeizige und wissbegierige Jugendliche sich in Kantorka und erlernt die Schwarze Kunst. Sein Freund Tonda erleidet nach einem Jahr einen mysteriösen Tod.

Im zweiten Jahr wird der Lehrjunge Geselle und der beste Zauberschüler des Meisters. Er befreundet sich mit Juro. Langsam beginnt der clevere Krabat, die Vorgänge in der Mühle zu hinterfragen, und er durchschaut, dass der Meister einen Pakt mit dem Herrn Teufel geschlossen hat.  

Mithilfe von Kantorka schafft Krabat es am Ende seines dritten Lehrjahres, sich und die anderen Gesellen aus dem Dienst des Mühlenmeisters zu befreien und ihn zu bezwingen.  

Eigenschaften: Entwickelt sich im Laufe der Jahre / zu Beginn schüchtern, ängstlich / am Ende mutig, willensstark, freundlich verantwortungsvoll, verliebt