Die textgebundene Erörterung

Die textgebundene Erörterung wird meistens in der Oberstufe oder im Studium geschrieben. Sie kann umfangreiche Texte als Grundlage für die Fragestellung verwenden, benutzt jedoch häufig kürzere Texte, wie zum Beispiel Kurzgeschichten, Gedichte oder Ausschnitte aus Ganzschriften. Sie dient Dir dazu, Deine eigene Meinung zu einer bestimmten Fragestellung sachlich und begründet zu äußern und den Leser von Deiner Position zu überzeugen. Das Ziel der textgebundenen Erörterung ist darauf ausgerichtet, die Meinungen der Autorin oder des Autors zu diskutieren und letztlich zu stützen beziehungsweise zu entkräften. 

Im Gegensatz zu der freien Erörterung, die in der Regel in einer Fragestellung ihren Ausgangpunkt nimmt, bist Du bei einer textgebundenen Erörterung an eine Textvorlage gebunden. Zuerst gilt es, den Text zu erschließen und die Argumente des Autors oder der Autorin herauszuarbeiten. Nachfolgend musst Du eine eigenständige Stellung beziehen. Dabei kannst Du die genannten Argumente unterstützen oder entsprechende Gegenargumente benennen.

Vorgehensweise

Beleuchte das Thema mehrmals gründlich und achte genau auf die inhaltlichen Aspekte, die zu untersuchen sind, ebenso wie auf die genannten Schlüsselbegriffe, damit Du den Sachverhalt vollständig erschließen kannst. Beim Lesen kann es von Vorteil sein, die Schlüsselwörter oder Textstellen mit Markern und Stiften farbig hervorzuheben oder zu unterstreichen sowie eventuelle Randnotizen zu vermerken.

Diese Elemente des Textes solltest Du besonders beachten:

  • Aufbau, Stil und Struktur 
  • Behauptungen, Ergebnisse und Ziele der Autorin oder des Autors
  • Die im Text verwendeten Beispiele

Eine textgebundene Erörterung besteht aus drei Teilen:

Die Einleitung enthält keine Argumente, sondern führt zum Text hin. Sie liefert verschiedene Informationen zum Grundlagentext: Titel, Name der Autorin oder Autors, Zeitpunkt der Veröffentlichung oder Entstehung, Textart (Kurzgeschichte, Novelle, Roman, …), eventuell Epoche. 

Die Einleitung erkundet das Thema, das im Text behandelt wird, und begründet, warum es aktuell ist. Hier kann das Interesse des Lesers durch die Benennung eines Ereignisses, eines Zitats oder einer Statistik geweckt werden. 

Hauptteil

In diesem Teil gilt es, zu beweisen, dass Du den Text verstanden hast und die Argumente des Autors bewerten kannst. Der Hauptteil der textgebundenen Erörterung bildet das Herzstück der Arbeit und besteht üblicherweise aus zwei Abschnitten:

1. Teil: Zusammenfassung des Textes

Zunächst ist es notwendig, die Textvorlage zu erschließen, um den Gedankengang und die Argumentation der Autorin oder des Autors nachvollziehen zu können. Die Hauptaussagen, Argumente und Thesen des Textes werden kurz wiedergeben und zusammengefasst. Belege Deine Textanalyse, die manchmal auch Sprache und Stilmittel sowie den Aufbau enthält, mithilfe von Zitaten und Beispielen aus dem Text.

Diese Elemente des Textes solltest Du besonders beachten:

  • Aufbau, Stil und Struktur 
  • Behauptungen, Ergebnisse und Ziele der Autorin oder des Autors
  • Die im Text verwendeten Beispiele

2. Teil: Beurteilung des Textes

Nachdem Du die Gedanken und Absichten der Verfasserin oder des Verfassers aufgedeckt hast, setzt Du Dich kritisch mit der Argumentation des Autors oder der Autorin auseinander.  Entscheide Dich dafür, ob Du dieser Argumentation zustimmst, widersprichst oder sie nur teilweise ablehnst.  Es geht hier also darum, Stellung zu beziehen und Deine Meinung anhand von Belegen und Beispielen aus Deinem eigenen Wissen oder Erfahrungsbereich zu äußern. Es ist wichtig, Deine Gedanken einerseits und die Meinung der Autorin oder des Autors andererseits streng auseinanderzuhalten, damit der Leser klar erkennen kann, wer welche Position vertritt.

Folgende Elemente des Textes solltest Du gründlich betrachten, bevor Du Position beziehst:

  • Begründung der Argumentation 
  • Subjektivität und Glaubwürdigkeit der Argumentation, eventuell Zweck der Argumentation
  • Einseitigkeit der Argumentation

Schlussteil

Der Schlussteil soll den Ausführungen des Hauptteils keine neuen Informationen oder Argumente mehr hinzufügen, sondern nur eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse liefern. Er enthält eine persönliche Stellungnahme zum Thema. Hier gilt es, Deine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Des Weiteren kannst Du das Thema im heutigen Kontext betrachten:  Hat das Thema einen Bezug zu einer aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation? Schließlich kannst Du eine Prognose darüber abgeben, wie sich das Thema zukünftig entwickeln wird und welche Folgen sich möglicherweise daraus ergeben. 

Ziel

Die textgebundene Erörterung soll beweisen, dass Du dazu in der Lage bist, die Thematik eines Textes zu analysieren und zu bewerten. Darüber hinaus soll sie zeigen, dass Du die Ansichten des Autors oder der Autorin sowie deine eigene Stellungnahme nachvollziehbar für andere aufbereiten kannst.

Eine textgebundene Erörterung ist dann gut gelungen, wenn:

  • die Hauptgedanken und zentralen Argumente der Textvorlage differenziert und umfassend erfasst wurden 
  • eine eigenständige Auseinandersetzung und Stellungnahme zum Thema erfolgen, die mit eigenen Beispielen oder Gegenbeispielen zu den Argumenten des Textes gestützt werden
  • die wichtigsten Fachbegriffe zum Thema korrekt angewandt werden
  • die gedankliche Ordnung und sprachliche Gestaltung der Aufgabenstellung entsprechen

PS: Bevor Du die textgebundene Erörterung abgibst, überprüfe noch einmal die Rechtschreibung und die Zeichensetzung.