Die lineare Erörterung

Der Verfasser einer linearen Erörterung vertritt die Auffassung, dass der untersuchte Sachverhalt (auch These genannt) unstrittig ist. Die Aussage wird nicht diskutiert und infrage gestellt, sondern nur mit eigenen Argumenten beleuchtet. Hier dreht es sich nicht um Pro- und Kontraargumente, die wie in einer dialektischen Erörterung gegeneinander abgewogen werden. Stattdessen geht es um einen einseitigen Standpunkt.

Bei einer linearen Erörterung darfst Du eine einseitige Argumentation anwenden, um den Leser von der Richtigkeit Deiner Stellungnahme zu überzeugen. Die lineare Erörterung befasst sich mit einer Ergänzungsfrage, die Du anhand einer Reihe überzeugender Argumente beleuchten sollst.

Beispiele für Ergänzungsfragen:

Welche sind die Risiken der Gentechnik?

Was bedeutet Diät?

Was sind die Ursachen der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland?

Welche Vorteile haben Klassenfahrten?

Warum nimmt die Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland zu?

Warum ist ein Smartphone  für die Jugendlichen heute unentbehrlich?

Warum lassen sich viele junge Leute in Deutschland tätowieren?

Wie können die schädlichen Folgen des Klimawandels vermindert werden?

Vorgehensweise

Die Vorgehensweise bei der freien Erörterung besteht aus mehreren Schritten:

Gründliche Erschließung des Themas, Brainstorming, Argumente- und Stoffsammlung, Gliederung und Niederschrift.

Beleuchte das Thema mehrmals gründlich und achte genau auf die inhaltlichen Aspekte, die zu untersuchen sind, ebenso auch wie auf die genannten Schlüsselbegriffe, damit Du den Sachverhalt vollständig erschließen kannst. Beim Lesen kann es von Vorteil sein, die Schlüsselwörter oder Textstellen mit Markern und Stiften farbig hervorzuheben oder zu unterstreichen sowie eventuelle Randnotizen vorzunehmen.

Anschließend fertigst Du eine Disposition an, die verdeutlicht, wie Du an die Aufgabe herangehen willst. Beginne mit einem Brainstorming. Hier notierst Du einfach ungeordnet all das, was Dir in Bezug auf das Thema einfällt. Das können Assoziationen, Ideen oder Hintergrundwissen sein. Ist das Thema bereits im Unterricht behandelt worden? Welche Aspekte und Fragestellungen zum Thema sind Dir bekannt? Sammle Beispiele, die Deine Argumente unterstützen können, wie Zitate, Grafiken, Statistiken oder Bilder. Auch persönliche Erfahrungen kannst Du hier als Beispiel nennen.

Nachfolgend ordnest Du Deine Gedanken, um Wiederholungen zu vermeiden und eine gewisse Logik hinsichtlich der Reihenfolge der Argumente zu erzielen. Bei der linearen Erörterung beginnst Du im Allgemeinen mit dem schwächsten Argument und endest mit dem stärksten. Deine Disposition kannst Du während Deiner Arbeit laufend ändern, wenn Du neue Ideen entwickelst.

Nachdem Du Deine Argumente nach ihrer Wichtigkeit geordnet hast, verfasst Du zunächst eine Einleitung, dann einen Hauptteil und am Ende Deiner Arbeit einen Schluss. Aus diesen drei Teilen besteht eine lineare Erörterung.

Einleitung

Die Einleitung hat die Aufgabe zu erfüllen, das Thema vorzustellen, den Leser in das Thema einzuführen und sein Interesse zu wecken. Sie besteht nur aus wenigen Sätzen. Die zentrale Fragestellung oder These, mit der Du Dich im Hauptteil befassen willst, wird hier genau formuliert. Ist der Sachverhalt eine Behauptung, formulierst Du sie als Ergänzungsfrage. Hier kannst Du den aktuellen Bezug der Fragestellung erwähnen.

Die Risiken der Gentechnik                
Ergänzungsfrage: Welches sind die Risiken der Gentechnik?

Einleitung: Die Gentechnik isoliert, kopiert, verändert und rekombiniert Gene in der Medizin und Pflanzenforschung. Eigenschaften werden von einem Lebewesen auf ein anderes übertragen. Dank der raschen Entwicklungen in den Wissenschaften wird der Gentechnik heute ermöglicht, gewisse Krankheiten zu heilen oder neue Pflanzenarten zu kreieren. Aber was sind die Risiken der Gentechnik? Diese Frage möchte ich nachfolgend untersuchen.

Hauptteil

Die in der Einleitung formulierte Frage wird nun erörtert. Im Hauptteil soll der Leser von der Richtigkeit Deines Standpunkts überzeugt werden. Dafür müssen Deine Argumente geschickt und logisch aufgelistet werden. Am besten eignet sich dafür eine Steigerung, bei der die weniger wichtigen Argumente zuerst und die wichtigsten Argumente zuletzt genannt werden. 

Die Anzahl der Argumente ist nicht festgelegt und kann abhängig vom Thema variieren.

Es ist besonders wichtig, Deine Behauptungen zu begründen und mit Beispielen zu belegen. Dazu kannst Du Zitate, Grafiken, Statistiken, Bilder oder eigene Erfahrungen heranziehen.

Schlussteil

Der Schlussteil fasst die Argumente aus dem Hauptteil kurz zusammen. Darüber hinaus sollst Du hier eine Position beziehen und Deine persönliche Schlussfolgerung ziehen. Des Weiteren kannst Du das Thema im heutigen Kontext betrachten:  Hat das Thema einen Bezug zu einer aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation? Schließlich kannst Du eine Prognose darüber abgeben, wie sich das Thema zukünftig entwickeln wird und welche Folgen sich möglicherweise aus ihm ergeben. 

PS: Bevor Du die textgebundene Erörterung abgibst, überprüfe noch einmal die Rechtschreibung und die Zeichensetzung.