Die dialektische Erörterung

Die dialektische Erörterung, auch als kontroverse Erörterung bezeichnet, wird meistens erst ab Klasse 8 geschrieben. Das Adjektiv »dialektisch« ist vom Nomen »Dialektik« abgeleitet, das etwa »die Kunst der Gesprächsführung« bedeutet. Bei einer dialektischen Erörterung werden die Pro- und Kontra-Argumente (These und Antithese) einander gegenübergestellt. Erst am Schluss musst Du Stellung in Form eines Fazits nehmen (Synthese). 

Im Gegensatz zu der linearen Erörterung, bei der Du gezielt auf eine einseitige Antwort und Problemlösung hinarbeitest und argumentierst, versuchst Du, in der dialektischen Erörterung die Frage von zwei Seiten her zu betrachten. 

Die dialektische Erörterung befasst sich mit einer Entscheidungsfrage oder einer Aussage, die Du anhand einer Reihe überzeugender gegensätzlicher Argumente beleuchten sollst. Sie weist im Hauptteil die Form eines Streitgespräches auf. Abschließend beziehst Du selbst Stellung: Bin ich dafür oder dagegen?

Beispiele für Entscheidungsfragen:

Erörtere die Vorteile und Nachteile des Radfahrens

Ist das Internet gefährlich?

Sollten Smartphones in der Schule verboten werden?

Ist ein Studium besser als eine betriebliche Ausbildung?

Ist das Fernsehen mehr Fluch als Segen?

Vorgehensweise

Beleuchte das Thema mehrmals gründlich und achte genau auf die inhaltlichen Aspekte, die zu untersuchen sind, ebenso wie auf die genannten Schlüsselbegriffe, damit Du den Sachverhalt vollständig erschließen kannst. Beim Lesen kann es von Vorteil sein, die Schlüsselwörter oder Textstellen mit Markern und Stiften farbig hervorzuheben oder zu unterstreichen sowie eventuelle Randnotizen zu vermerken.

Anschließend fertigst Du eine Disposition an, die verdeutlicht, wie Du an die Aufgabe herangehen willst. Beginne mit einem Brainstorming. In diesem Zusammenhang notierst Du einfach ungeordnet all das, was Dir in Bezug auf das Thema einfällt. Das können Assoziationen, Ideen oder Hintergrundwissen sein. Ist das Thema bereits im Unterricht behandelt worden? Welche Aspekte und Fragestellungen zum Thema sind Dir bekannt? Sammle Beispiele, die Deine Argumente unterstützen können, wie Zitate, Grafiken, Statistiken oder Bilder. Auch persönliche Erfahrungen kannst Du hier als Beispiele nennen.

Nachfolgend ordnest Du Deine Gedanken, um Wiederholungen zu vermeiden und eine gewisse Logik in der Reihenfolge der Argumente zu erzielen. Bei der dialektischen Erörterung beginnst Du im Allgemeinen mit dem schwächsten Argument und endest mit dem stärksten. Deine Disposition kannst Du während Deiner Arbeit laufend ändern, wenn Du neue Ideen entwickelst.

Nachdem Du Deine Argumente nach ihrer Wichtigkeit geordnet hast, verfasst Du zunächst eine Einleitung, dann einen Hauptteil und am Ende Deiner Arbeit einen Schluss. Aus diesen drei Teilen besteht eine dialektische Erörterung.

Einleitung

Die Einleitung hat die Aufgabe zu erfüllen, das Thema vorzustellen, den Leser in das Thema einzuführen und sein Interesse zu wecken. Sie besteht nur aus wenigen Sätzen. Die zentrale Entscheidungsfrage, mit der Du Dich im Hauptteil befassen willst, wird hier genau formuliert. Hier kannst Du den aktuellen Bezug der Fragestellung erwähnen.

Hauptteil

Die dialektische Erörterung orientiert sich an Pro- und Kontraargumenten. Es gibt zwei Möglichkeiten, diese zu ordnen: 

Die Blockmethode ordnet die Pro- und Kontraargumente nacheinander. Zunächst legst Du die positiven Behauptungen, die für die These sprechen, vor. Anschließend nennst Du die konträren Standpunkte, welche die Gegenthese befürworten. Am Schluss triffst Du eine persönliche Entscheidung und formulierst das Ergebnis. Stütze Deine Argumente mit Beispielen, Zitaten, Zahlen, Fakten oder eigenen Erlebnissen.

Die Anzahl der Argumente ist nicht festgelegt und kann in Abhängigkeit vom Thema variieren.

 

Die Reißverschlussmethode, auch Ping-Pong Variante genannt, ordnet die Pro- und Kontraargumente abwechselnd nacheinander. Die Argumente werden auch hier nach ihrer Überzeugungskraft sortiert, wobei die stärksten Pro- und Kontraargumente zum Schluss genannt werden. Abschließend formulierst Du Deinen eigenen Standpunkt zu der aufgeworfenen Frage. 

Die Anzahl der Argumente ist nicht festgelegt und kann in Abhängigkeit vom Thema variieren.

 

Es ist besonders wichtig, Deine Behauptungen zu begründen und mit Beispielen zu belegen. Dazu kannst Du Zitate, Grafiken, Statistiken, Bilder oder eigenen Erfahrungen heranziehen.

Schlussteil

Der Schlussteil fasst die Argumente aus dem Hauptteil kurz zusammen. Darüber hinaus sollst Du hier eine klare Position beziehen und Deine persönliche Schlussfolgerung ziehen. Des Weiteren kannst Du das Thema im heutigen Kontext betrachten:  Hat das Thema einen Bezug zu einer aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Situation? Schließlich kannst Du eine Prognose dahin gehend abgeben, wie sich das Thema zukünftig entwickeln wird und welche Folgen sich möglicherweise daraus ergeben. 

PS: Bevor Du die textgebundene Erörterung abgibst, überprüfe noch einmal die Rechtschreibung und die Zeichensetzung.