Brief und Mail

Briefe damals 

Schon im der Antik verschickten die Menschen Briefe, um einander Nachrichten zu übermitteln, und zwar zum Beispiel, um persönliche Gefühle mitzuteilen oder besondere Ereignisse zu schildern. Die Briefkultur gewann im Laufe der Jahrhunderte an Bedeutung und diente sowohl privaten, geschäftlichen und öffentlichen Zwecken. Viele Jahrhunderte lang wurden Briefe als das Hauptkommunikationsmittel von räumlich getrennten Menschen benutzt. Der Briefwechsel gewann mit der Zeit so sehr an Bedeutung, dass er auch in der Literatur als Briefroman erschien, wie zum Beispiel Johann Wolfgang Goethes Erzählung Die Leiden des jungen Werthers (1774), die aus 92 Briefen besteht.

Ein handgeschriebener Brief ist etwas Besonderes, Persönliches und Intimes, der zwei Personen nahe verknüpfen kann. Um sich davon zu überzeugen, kann man z.B. Anne Franks Tagebuch lesen, in dem das junge Mädchen mithilfe von Briefen an ihre imaginäre Freundin Kitty in 195 Einträgen ihre Gefühle und das Leben der Untertauchten in ihrem Amsterdamer Versteck beschreibt. 

Persönliche Briefe werden aus verschiedenen Gründen verfasst, wie zum Beispiel Liebesbriefe, Glückwünsche zum Geburtstag oder zur Hochzeit, Weihnachtsgrüße oder ein Brief zur Beileidsbekundung. Auch werden Briefe in formellen Situationen angewendet, in denen ein besonderer Sachverhalt dargestellt wird, und zwar in der Korrespondenz mit zum Beispiel einem Mieter, Arbeitsgeber, einer Schule, der Polizei oder den Verwaltungen.

Aufbau eines Briefes

Im Allgemeinen besteht ein Brief aus drei Teile: Briefkopf, Brieftext und Briefabschluss. 

Man kann zwischen privaten und formalen Briefen unterscheiden. Während der Aufbau eines privaten Briefs eigentlich keiner festen Regel unterliegt, enthält ein formeller Brief feste Elemente. Zum Beispiel werden in formellen Briefen im Briefkopf nicht nur Ort und Zeit, sondern auch Kontaktdaten, wie Vor- und Nachname, Adresse, Postleitzahl, Stadt, Telefonnummer und E-Mail-Adresse des Versenders angegeben. Nachfolgend wird in der Regel eine Betreffzeile hinzugefügt, um die Art der Nachricht zu präzisieren.

Der Brieftext beginnt immer mit einer Anrede, wie beispielsweise, „Sehr geehrte Damen und Herren,“ „Guten Tag Oma!“ oder „Liebe Anne“. Endet die Anrede mit einem Ausrufezeichen, so beginnt der Brief mit großer Schrift. Endet die Anrede mit einem Komma, wird weiter kleingeschrieben. Die Anrede wird immer mit einer Leerzeile von dem Rest des Textes abgetrennt.

Der Inhalt des Briefes ist davon abhängig, was und wem etwas mitteilen wird. Private Briefe sind subjektive kurze Erzählungen und beschreiben Eindrücke, Gedanken oder Gefühle: Sie sind oft mit einem bestimmten Ereignis, wie einer Vorstellung, einer Reise oder einem Hobby verbunden. Formelle Briefe teilen dagegen dem Empfänger so sachlich und objektiv wie möglich einen bestimmten Inhalt zu einem bestimmten Zweck mit. Bestimmte typisierte Redewendungen werden hier üblicherweise verwendet, welche der bestimmten Situation angepasst sind.

Die Grußformel schließt der Brief ab. Beim formellen Schreiben ist die Verabschiedung distanziert-höflich und meistens warmherzig in privaten Briefen: „Liebe Grüße“ werden dann „Mit freundlichen Grüßen“ übermittelt. Die Unterschrift darf nicht fehlen. Manchmal werden zusätzliche Gedanken in einem Postscript oder ergänzende Informationen hinzugefügt. Dazu verwendet man die Worte „PS.“ oder „PS:“ gefolgt von einem Satz.

Brief oder Mail

Das traditionelle Brief in Papierform hat heute aufgrund der Verbreitung der elektronischen Kommunikation an Bedeutung verloren. Er ist durch Telefon, E-Mail und SMS weitgehend ersetzt worden, welche die Kommunikation über eine größere geografische Distanz effektiv sichern. Die Vielfältigkeit der modernen digitalen Medien erlauben es, via Handy, Tablet oder PC einen Bescheid überall in die Welt schnell und kostengünstig zu verschicken. Des Weiteren sind sie kostengünstig und können zusätzliche elektronische Dokumente, wie Bilder, Musik oder andere Texte, enthalten. Eine Erzählung, welche die E-Mails als Hauptkommunikationsmittel benutzt, stellt Daniel Glattauers moderne Version eines Briefromans Gut gegen Nordwind dar.

Briefe und E-Mails verfügen im Allgemeinen über die gleichen Textstrukturelementen: Anrede, Textkörper und Grußformel. Doch kommt es bei beiden Kommunikationsformen zu vielfältigen Abweichungen von diesem Grundmuster.  Auch wird zwischen privaten und formalen E-Mails unterschieden. Auch werden E-Mails vor allem öfter durch ihre Schnelligkeit und Unmittelbarkeit charakterisiert. Sie sind oft in journalistischem Stil verfasst, wobei die wichtigsten Informationen am Anfang des Textes stehen. Bei E-Mails ebenso wie bei Briefen ist es wichtig, den Bescheid zu strukturieren, um Wiederholungen zu vermeiden, und darauf zu achten, sie korrekt und freundlich zu formulieren. Auch besteht ein Unterschied zwischen privaten und formalen E-Mails, welche wie bei Briefen im Allgemeinen durch einen Kopf, einen Text, einen Abschluss und eine klare Struktur gekennzeichnet sind.