Frieders Einsamkeit und Lebensmüdigkeit

Frieders erster Selbstmordversuch: Der einsame Außenseiter

Noch bevor die Handlung des Romans überhaupt einsetzt, hat der achtzehnjährige Frieder zum ersten Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Direkt nach der Schule hat er eine Überdosis Schlaftabletten in Kombination mit dem Inhalt einer Zweiliterflasche griechischen Weins zu sich genommen und sich dann allein in den Keller seines Elternhauses zurückgezogen (vgl. S.29). Nur durch einen großen Zufall wird er noch rechtzeitig von seinem Vater gefunden.

Es wird in der Erzählung nie genau aufgeklärt, warum Frieder seinen ersten Selbstmordversuch verübt hat. Die Lesenden sind an die Perspektive des Ich-Erzählers Höppner gebunden, der ebenfalls nur Mutmaßungen darüber anstellen kann. Es werden jedoch Hinweise darauf geliefert, dass Frieder vor der Zeit des Auerhauses ein Außenseiter war, über den sich andere lustig gemacht haben. Niemand in seiner Klasse hat ihn mit seinem richtigen Namen angesprochen. Stattdessen wurde er von allen immer nur „der Bauer“ (S.27) genannt: „Wir hatten ihn immer damit aufgezogen, dass seine Eltern Bauern waren. Wenn er vor der Schule zuhause geholfen hatte, roch er nach Kuhstall. Außer den Lehrern nannte ihn niemand beim Namen. Alle nannten ihn bloß ‚der Bauer‘. War das ein Grund, sich umzubringen?“ (S.27).

In seinem Elternhaus scheint Frieder nicht den nötigen Rückhalt und die nötige Anerkennung erfahren zu haben. Seine Eltern sind sehr stark im ländlichen Milieu verwurzelt. Sie sind selbst nicht auf das Gymnasium gegangen und vertreten strenge christliche Werte. Sie sind zwar stolz auf ihren Sohn Frieder, können sich aber nicht mit seinem Bildungsweg identifizieren (vgl. S.89). Frieder hegt hingegen eine Abneigung gegen das ländliche Milieu, in dem er aufgewachsen ist. Er hasst beispielsweise das Gasthaus, das den Bauern in der Gegend als Versammlungsstätte dient: „Frieder hatte den Ochsen gehasst. Er hatte den Schweinebraten gehasst, die Kartoffeln und die braune Soße, die Landfrauen samt ihrem Land und die Männer samt ihren Gesängen.“ (S.227). Frieder fühlt sich in dem Mili...

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