Gesellschaftliche und historische Hinweise im Werk

„Auerhaus“ – ein unpolitischer Roman?

Im Roman „Auerhaus“ werden die zeitgenössische Lage und Themen nicht explizit angesprochen, da der Autor es vermeidet, einen genauen Einblick in die Zeit der 1980er zu verschaffen. Trotz mehrerer unverkennbarer Anspielungen auf die gesellschaftliche und historische Situation in Deutschland verzichtet der Roman darauf, den historischen Hintergrund detailreich nachzustellen.

Der Autor Bov Bjerg hat sich bewusst dagegen entschieden, zu detailreich auf den Kontext der 1980er Jahre einzugehen: „Wenn man über die Politik der 80er-Jahre schreibt oder wie sie Jugendliche beschäftigt hat, gerät man leicht in ein Fahrwasser: Opa erzählt vom Krieg. Und das wollte ich auf Teufel komm raus vermeiden. Ich finde es auch nicht so interessant. Dafür gibt es Geschichtsbücher, den Journalismus aus den 80er-/90er-Jahren, wo man etwas nachlesen kann. Man muss in Romanen nicht unbedingt eins zu eins die tagesaktuellen Probleme der NATO-Nachrüstung oder des Kalten Krieges verhandeln.“

Der Autor wollte sich lieber auf andere Themen fokussieren: Freundschaft, Verantwortung und Gemeinschaft. Seine Wahl begründet er in einem Interview folgendermaßen: „Ich glaube, das ist sekundär, ob die politisch sind oder nicht. Sie suchen, genau wie wir damals, ein Gemeinschaftsgefühl. Ob bei der Demo, beim Kirchentag oder beim Konzert, das ist zweitrangig.“ (Quelle)

Nachfolgend werden die wenigen gesellschaftlichen und historischen Hinweise im Werk näher beleuchtet.

Ökologie

In den 1970er und Anfang der 1980er Jahre werden ökologische Themen erstmals ernsthaft diskutiert, eine Tatsache, die sich in der Gründung der Grünen-Partei zu Jahresbeginn 1980 niederschlägt. Harry hat für das neue Umweltbewusstsein nur Verachtung übrig, ihm macht es geradezu Spaß, ökologisch gesinnte Leute zu provozieren. Als er sich ein Auto kauft, achtet er daher darauf, dass es eines ist, das besonders viel Sprit verbraucht: „Da regen sich die Ökos schön auf. Gluckgluck! Morgens eine Stunde länger schlafen, das ist es mir wert.“ (S.133).

Einwanderung

Eine andere Anspielung, die in dem Roman vorgenommen wird, lautet, dass Westdeutschland im Laufe der Nachkriegszeit zu einem richtigen Einwanderungsland geworden ist. In den 1960er und 1970er Jahren hat eine regelrechte Arbeitsimmigration stattgefunden, in deren Zusammenhang zahlreiche „Gastarbeiter“ aus Süd- und Südosteuropa in die BRD eingewandert sind. 1980 hatten 4,5...

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