Sprache und Stil

Jugendsprache

Bov Bjergs Roman „Auerhaus“ richtet sich vorrangig an ein jugendliches Publikum und charakterisiert sich durch die Anwendung der Jugendsprache im Text. Als Jugendsprache ist eine besondere Sprechweise von Jugendlichen definiert, mit der sie versuchen, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. 

Die sechs Jugendlichen der WG haben sich bereits räumlich von ihren Elternhäusern getrennt und leben im Auerhaus in einer antiautoritären, freiheitslebenden und exklusiv jugendlichen Gemeinschaft zusammen. Sie sind alle achtzehn Jahre alt und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sie sich untereinander nicht immer in der genormten Standardsprache unterhalten, sondern dass sich in ihrer Sprechweise viele jugendsprachliche Eigenschaften finden lassen.

Zu den Merkmalen der Jugendsprache, die im „Auerhaus“ Verwendung findet, gehören beispielsweise:

  • Die Verwendung von Umgangssprache: „Für den spöttischen Ton, in dem er das sagte, hätte er in der Hauptschule aufs Maul bekommen.“ (S.22), „So’n Maurer oder so’n Maler, der ist dumm wie ein Meter Feldweg.“ (S.71), „nix“ für nichts (vgl. S.72)
  • Die Verwendung von Schimpfwörtern: „Alles Wichser“ (S.18), „Was für ein Blödmann!“ (S.19)
  • Die Verwendung von Spitznamen für andere Leute, wie etwa Doktor Turnschuh für den Deutschlehrer Faller (vgl. S.19) oder F2M2 als Akronym für den „Fiesen Freund Meiner Mutter“ (S.11)
  • Die Verwendung von Neologismen: „Himbeermatschproblem“ (S.75), „Friederdeutsch“ (S.79), „Spezial-Schwachmaten“ (S.32)
  • Das Sprechen in kurzen oder sogar unvollständigen Sätzen: „Der Geruch. Die Stimmen. Die Wärme. Die anderen gaben auf mich acht.“ (S.90); „Weiß nicht. Fahrradmechaniker vielleicht.“ (S.94)
  • Die Verwendung von Ausrufesätzen: „Niemand zieht in dieses Zimmer ein! Auf gar keinen Fall! Hier zieht niemand ein!“ (S.114)

Hauptsächlich kurze Sätze 

Der 18-jährige Ich- Erzähler Höppners benutzt vor allem eine leicht leserliche Alltagssprache und einen klaren, schnörkellosen Schreibstil, wobei kurze parataktische Sätze dominieren. Die Parataxe ist eine Satzkonstruktion, in der mehrere Hauptsätze aneinandergereiht werden, die Sätze also gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Einige Passagen des Romans bestehen sogar ausschließlich aus aneinandergereihten parataktischen Sätzen. Als Höppner sich beispielweise mit einer Flasche Wodka im Schnee betrinkt, werden seine Gedanken fast nur in Hauptsätzen wiedergegeben. Die abgehackte Schreibweise erweckt hier den Eindruck, als könnte Höppner bald in der Kälte einschlafen und so in Lebensgefahr geraten, die Spannung wird folglich gesteigert: „Ich schaute in den Tunnel. Der bewegte sich auf mich zu. Er stülpte sich über mich. Es wurde immer dunkler. Jetzt war ich sehr, sehr müde. Ich hörte was brummen. Am Ende des Tunnels erschien ein Licht. Ich hörte eine Stimme, es war Frieders Stimme. Frieder war also schon tot.“ (S.137)

Der parataktische Satzbau erhöht die Authentizität der Erzählung, da sie dadurch weniger l...

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