Aufbau

Der Roman „Auerhaus“ ist in drei Hauptkapitel sehr unterschiedlicher Länge unterteilt. Das erste umfasst nur eine dreiseitige Szene, die der Mitte der Geschichte entnommen ist. Das zweite ist das bei weitem umfangreichste und umfasst knapp 200 Seiten, die in 29 Unterkapitel mit in der Regel nicht mehr als zehn Seiten unterteilt sind. Und das dritte beinhaltet knapp 30 Seiten, die in fünf Unterkapitel untergliedert sind. Die Untertitel sind nicht nummeriert, sondern werden lediglich mit einem Stern (*) voneinander abgegrenzt.

Die Handlung wird überwiegend chronologisch erzählt. Sie setzt mit Frieders erstem Selbstmordversuch ein, schreitet mit der Gründung des Auerhauses und dem Entstehen der Gemeinschaft fort, kulminiert schließlich in ihrer Auflösung und endet wie ein geschlossenes Drama in einer Katastrophe, die in diesem Fall aus Frieders Selbstmord besteht.

Einige markante Rückblenden (Analepsen) und Vorausdeutungen (Prolepsen), welche die Linearität der Erzählung vorübergehend durchbrechen, verleihen dem Roman seine Originalität. Ein gutes Beispiel dafür ist das kurze erste Hauptkapitel, das als eine Art Prolog dien, und davon berichtet, wie Frieder an Heiligabend den Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz fällt, eine Szene, die sich eigentlich erst in der Mitte der Handlung ereignet. Diese Anekdote ist für den Ich- Erzähler jedoch bedeutungsvoll: Auf diese Weise will er sich an seinen verstorbenen Freund erinnern.

Ein anderes Beispiel für Flashbacks ist das Kapitel, in dem Frieders Beerdigung wiedergegeben wird: Der Erzähler berichtet hier zeitgleich vom Leben seines Freundes Frieder nach dessen Auszug aus dem Auerhaus und von seinem Leben als Fahrradmechanikerlehrling in einer hessischen Kleinstadt (vgl. S.221ff.).

Die Vorausdeutungen (Prolepsen) im Text spielen in der Geschichte eine besondere Rolle. Im ersten Kapitel sorgt die erste Prolepse für Spannungsaufbau: „Das war nicht der Anfang der Geschichte, und das war nicht das Ende.“ (S.9). Auf der Silvesterparty im Auerhaus, die etwa in der Mitte des Romans stattfindet, verrät der Ich-Erzähler bereits, wie die Geschichte enden wird: „Dass ich beim nächsten Silvester gar nicht mehr im Dorf war. Dass die WG rausgeschmissen wurde, weil Frieders Eltern doch noch was von dem Ladendiebstahl mitkriegten (…). Dass Vera und ich uns trennten. Dass Frieder sich im nächsten Jahr umbrachte.“ (S.124) Am Ende des zweiten Hauptkapitels stellt sich Höppner außerdem optimistisch und wie in einem Traum fantasiereich vor, wie es für jedes Mitglied der Wohngemeinschaft im Leben weitergehen könnte. 

Hauptkapitel 1 (S.7-9)

Beim kurzen ersten Kapitel handelt es sich um eine Vorschau auf eine Szene, die sich erst später im Roman ereignen wird. Die Lesenden werden nicht erst an die Erzählung herangeführt, sie startet gleich in medias res (mitten im Geschehen). Das bedeutet, dass die Lesenden die auftretenden Charaktere noch gar nicht kennen und noch nicht mit dem Kern der Geschichte vertraut sind. Sie wissen beispielsweise nicht, dass Frieder versucht hat, sich umzubringen, oder dass sich sechs Jugendliche zu einer Wohngemeinschaft im Auerhaus zusammengeschlossen haben. Der Sinn der Szene wird sich ihnen erst am Ende des Romans erschließen. Der Ich- Erzähler Höppner nimmt eine auktoriale (altwissende) Position ein, als er vorausdeutend erklärt: „Das war nicht der Anfang der Geschichte, und das war nicht das Ende. (…) Aber das war das, was jeder von Frieder wissen sollte.“ (S.9).

Das Kapitel startet damit, dass Höppner und Vera Frieder am Heiligabend lachend auf den Stufen des Auerhauses finden, er trägt eine Axt bei sich und behauptet euphorisch, etwas getan zu haben. Höppner eilt sofort in die verschneite Nacht hinaus und folgt den Fußabdrücken seines Freundes im Neuschnee, bis er den Dorfplatz der Gemeinde erreicht. Dort entdeckt er, dass Frieder den großen Weihnachtsbaum in der Mitte des Platzes gefällt hat.

Erst am Ende des Romans geht der Erzähler Höppner detailliert darauf ein, warum er die Geschichte von Frieder immer...

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