Historischer Hintergrund: Wiener Gesellschaft um 1900

Armut und Reichtum

Um die Jahrhundertwende macht Österreich eine Phase der starken Landflucht durch. Die Population konzentriert sich viel stärker auf die Großstadt. In ungefähr dreißig Jahren verdoppelt sich die Einwohnerzahl der österreichischen Hauptstadt von einer auf zwei Millionen. Insgesamt trägt die starke Zuwanderung besonders aus sozial schwachen Schichten dazu bei, dass sich eine immer größer werdende Gruppe von in Armut lebenden Menschen bildet.

Nach der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich eine kapitalistische Gesellschaft entwickelt, in welcher ein immer größer werdendes Proletariat unter einer profitierenden oberen Schicht lebt. Im Wien des Fin de Siècle (Ende des Jahrhunderts) finden sich einerseits großes Elend in den niedrigeren sozialen Schichten und andererseits auch Reichtum und Dekadenz bei den Mitgliedern der gehobenen Gesellschaft.

Die Oberklasse pflegt einen extravaganten Lebensstil. Sehr verbreitet ist die Kaffeehauskultur. Männliche Literaten, Philosophen und andere Intellektuelle treffen sich in den Gaststuben, um sich über kulturelle Ereignisse, wissenschaftliche Entwicklungen oder die aktuelle Politik auszutauschen. Zu den berühmten Vertretern der Teilnehmer an diesen Zusammentreffen gehören u. a. der Psychologe Sigmund Freud, der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und auch Arthur Schnitzler.

Vieles gibt es zu besprechen, denn Wien ist zu dieser Zeit das kulturelle Zentrum der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie, manche sagen, ganz Europas. Zeitungen in verschiedensten Sprachen sind im alltäglichen Handel erhältlich. Viele Wiener sind Zugezogene aus osteuropäischen Ländern.

Politik und soziale Verhältnisse

Die Familie Schnitzler gehört zu einer jüdischen Minderheit in Wien. Um die Jahrhundertwende sind deutl...

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