Gustl und das Duell

Die Ehrverletzung durch den „Doctor“

Mit der an die Zugehörigkeit zum Militär gebundenen Standesehre steht das Duell in engem Zusammenhang. Es spielt in Gustls Leben eine entscheidende Rolle als die Möglichkeit, potenzielle Ehrverluste wieder auszugleichen.

Schon zu Beginn der Novelle wird der Leser über Gustls bevorstehendes Duell informiert (vgl. S. 11f.). Dabei handelt es sich um Gustls zweites Duell, nachdem er sich eineinhalb Jahre zuvor bereits mit dem Oberleutnant Brisanz einen Zweikampf geliefert hat (vgl. S. 12f.). Obgleich es sich bei dem Kontrahenten dieses Mal nicht um einen Offizier, sondern um einen Zivilisten handelt, konnte von Gustl Genugtuung gefordert werden, da der „Doctor“ (S. 11) als promovierter Jurist zum Tragen von Waffen berechtigt ist.

Gustl möchte folglich seine vermeintlich herabgesetzte Standesehre mit dem Säbel verteidigen und so die Ehre des Militärs wiederherstellen: „und dann erst ist dieser Doctor dazugekommen und hat irgendwas gʼsagt, was mir nicht gepaßt hat, von Kriegsspielerei oder so was […] und ich habʼ von einem patriotischen Fest erzählt … und dann hat der Doctor gesagt […] ‚Herr Lieutenant, Sie werden mir doch zugeben, daß nicht alle Ihre Kameraden zu Militär gegangen sind, ausschließlich um das Vaterland zu verteidigen.‘ So eine Frechheit!“ (S. 14).

Neben der Beleidigung des Militärs unterstellt Gustl dem Juristen überdies noch eine persönliche Kränkung, die er insbesondere aufgrund der eigenen Minderwertigkeitsgefühle als inakzeptable Demütigung empfindet: „Der Doctor h...

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