Antisemitismus

Widerspiegelung gesellschaftlicher Verhältnisse

Der Begriff „Antisemitismus“ wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geprägt und bezeichnet die feindliche Haltung gegenüber Juden. Zwar hatte es schon in den vorherigen Jahrhunderten und seit der Antike zahlreiche Vorurteile und auch Anfeindungen gegenüber Angehörigen des jüdischen Glaubens gegeben, aber die mit der Anwendung jenes Begriffs einhergehende aggressive Ausgrenzung einer Glaubens- und Lebensgemeinschaft bedeutete eine Neuerung, die in der gezielten Verfolgung und Tötung von vielen Millionen Juden im Nationalsozialismus ihren traurigen Höhepunkt erreichte.

Schon um 1880 waren in Österreich starke antisemitische Tendenzen zu erkennen, die in der Wahl des bekennend judenfeindlichen Bürgermeisters von Wien, Karl Lueger, gipfelten. Im Zuge dieser Strömungen wurden 1896 in dem sogenannten „Waidhofer Beschluss“ den Juden nicht nur die Duellfähigkeit, sondern generell jedes Ehrgefühl abgesprochen: Die Juden wurden hierin als „von Geburt aus ehrlos“, als „ethisch tieferstehendes Subjekt“ diffamiert und damit ihrer Menschenwürde beraubt.

Gustls judenfeindliche Äußerungen stehen im Zusammenhang mit seiner immer wieder zutage tretenden Neigung, aus Vermutungen über eine bestimmte Gruppe eine verallgemeinernde Unterstellung herzuleiten. Nicht nur die Juden kategorisiert er in einer Gruppe, sondern auch zum Beispiel die Juristen, die er abschätzend als „Rechtsverdreher“ bezeichnet: „Die Rechtsverdreher sind doch heutzutagʼ alle Sozialisten“ (S. 13).

Gustls Ressentiments speisen sich diesbezüglich zum einen aus seinen persönlichen Erfahrungen und sind oftm...

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