Entstehung

Oberarzt und Künstler

Obwohl Arthur Schnitzler sich schon sehr früh zur Kunst hingezogen fühlt und im Alter von 18 Jahren bereits 23 Dramen verfasst haben soll, schließt er zunächst ein Medizinstudium an der Universität Wien ab, um nach seiner Promotion ein Freiwilligenjahr beim Militär als Oberarzt im Garnisonsspital zu absolvieren.

Da Schnitzler sich jedoch nicht zu einer medizinischen Laufbahn berufen fühlt, ist er mit dieser Situation nicht wirklich zufrieden, sodass er immer wieder nach Zerstreuung und Abwechslung sucht. Diese findet er zum einen in der schriftstellerischen Betätigung, der er sich mit Hingabe widmet, zum anderen aber auch in diversen Affären mit Frauen.

Schnitzlers wechselnde Liaisons spielen sowohl in seinem Privatleben als auch in seinem dichterischen Werk eine entscheidende Rolle: Der Autor ist stets von Frauen umschwärmt und pflegt bisweilen mehrere Beziehungen gleichzeitig, des Öfteren auch mit verheirateten Frauen. Selbst in seiner unglücklich verlaufenden Ehe mit Olga Gussmann ist er nicht treu, sodass nach beiderseitigen Seitensprüngen im Jahr 1921 die Scheidung erfolgt.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch in seinem dichterischen Werk Frauengeschichten und sexuelle Abenteuer immer wieder thematisiert werden – so bereits in seinem ersten Einakter-Zyklus „Anatol“ (1893), der schwerpunktmäßig um die wechselnden Affären des Protagonisten Anatol kreist.

Die sexuelle Freizügigkeit seiner Dramen führt aber auch schon recht früh zu handfesten Skandalen. Dies gilt insbesondere für sein wohl berüchtigtstes Werk, den Einakter-Zyklus „Reigen“, der 1897 fertiggestellt wird. Hierin beschreibt Schnitzler die Begegnung von zehn Paaren, die sich ganz im Sinne eines Reigens in jeder Szene einem neuen Sexualpartner zuwenden. Obwohl der Geschlechtsverkehr nicht explizit beschrieben wird, sondern nur erahnt werden kann, löst das Stück einen Skandal aus: Es folgen Krawalle und Demonstrationen, Schnitzler wird vor allem in den völkisch-nationalen Zeitungen als „jüdisch-entarteter“ „Pornograph“ beschimpft.

Duellaffäre und Antisemitismus

Scharfsichtig und einfühlsam wie kaum ein anderer Autor dieser Zeit durchlebt Arthur Schnitzler die von Melancholie und Hoffnungslosigkeit geprägte Krisenstimmung der Jahrhundertwende, die sich in seinen Werken widerspiegelt (vgl. hierzu auch das Kapitel „Merkmale der Wiener Moderne in ‚Leutnant Gustl‘“).

Die Monolognovelle Leutnant Gustl (oder „Lieutenant Gustl“, wie der Originaltitel lautete) wird von Schnitzler im Alter von 38 Jahren in sechs Tagen fertiggestellt. Sie erscheint erstmals am 24.  Dezember 1900 in der Weihnachtsbeilage der Neuen Freien Presse. Zu diesem Zeitpunkt gilt der Autor bereits als berühmtester Dramatiker Österreichs und ist auch in Deutschland...

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