Die Wiener Moderne

Wien um die Jahrhundertwende: Hochphase der Kreativität

Sehr viele Erzählungen und Dramen Schnitzlers spielen in Wien um die Jahrhundertwende und greifen typische zeitgenössische Themen und Motive auf. Im Hinblick auf Schnitzlers Novelle Lieutenant Gustl ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass um 1900 ungefähr neun Prozent der Wiener Bürger jüdischer Herkunft waren. Diese Menschen bildeten einen Großteil der intellektuellen und kulturellen Elite Wiens – so waren zum Beispiel Arthur Schnitzler, Gustav Mahler, Arnold Schönberg und Sigmund Freund jüdischen Glaubens – und hatten entscheidenden Anteil am dem künstlerischen und wissenschaftlichen Aufschwung jener Zeit.

Die konfliktgeladene Vielgestaltigkeit, die in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn Wien um diese Zeit vorherrscht (siehe Abschnitt „Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn“), bildet den idealen Nährboden für die Entstehung eines einzigartigen kreativen Milieus. In den Zentren des Reiches werden intellektuelle und künstlerische Höchstleistungen vollbracht.

Insbesondere die Hauptstadt Wien, die um 1900 fast zwei Millionen Einwohner zählt, bildet ein Sammelbecken für künstlerische Talente aus dem ganzen Reich. Somit erlebt die Stadt um die Jahrhundertwende eine kulturelle Blütezeit in der Musik, der Malerei, der Architektur, der Philosophie, der Mathematik und Medizin und vor allem auch in der Literatur. Der hierdurch entstehende florierende Kulturbetrieb zwischen den Jahren 1890 und 1910 wird als „Wiener Moderne“ bezeichnet.

Verfall und Aufbruch

Die politische Instabilität im Vorfeld des Ersten Weltkriegs überträgt sich auf das pessimistische Lebensgefühl der Künstler, welche in ihren Werken die Auflösungserscheinungen der Donaumonarchie mit den wichtigsten Symptomen des kulturellen Verfalls, der Dekadenz und des Lebensüberdrusses zur Darstellung bringen.

Damit verleihen sie dem Kri...

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