Der Offizierskorps

Militärakademie und Kadettenschule

Der Offizierskorps ist jedoch überwiegend deutsch bzw. deutsch-jüdisch geprägt. Ca. acht Prozent der Offiziere sind im habsburgischen Heer Juden, eine Tatsache, die von dem antisemitisch eingestellten Gustl mit großem Missfallen zur Kenntnis genommen wird.

Der Offiziersstand steht Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr nur der Aristokratie offen, sondern auch dem aufsteigenden Bürgertum. Um die Offizierslaubahn einschlagen zu können, muss man entweder das Gymnasium besucht und dann ein dreijähriges Studium an der Militärakademie absolviert haben oder als Absolvent mit niedrigerem Schulabschluss vier Jahre lang die Kadettenschule durchlaufen, um dann als Kadett-Offiziersstellvertreter oft sehr lang auf die Beförderung zum Leutnant zu warten.

Nach seinem Verweis aus dem Gymnasium muss Gustl den zweiten Weg einschlagen und die „Cadettenschule“ (S. 14) besuchen. Sein Aufstieg vollzieht sich dann jedoch noch verhältnismäßig schnell, wenn er „mit achtzehn“ zum „Stellvertreter“ und mit „zwanzig“ dann sogar schon zum „Lieutenant“ (S. 27) befördert wird.

Von dem Berufsoffizier ist die Gruppe von Einjährig-Freiwilligen abzugrenzen, die nach bestandenem Abitur bereits nach einem Jahr zu Reserveoffizieren befördert wurden, ihren eigentlichen Lebensmittelpunkt und ihren Verdienst aber außerhalb der Armee in der zivilen Welt finden.

Diese „Freiwilligen“ werden von Gustl zutiefst verachtet: Die Tatsache, dass sie in der Nacht „wie Officiere“ aussehen, findet er „[e]kelhaft“ (S. 20). Folglich möchte er sie auch am liebsten ausgrenzen und zu Unteroffiziersstellvertretern zurückstufen: „Wir müssen uns jahrelang plagen, und so ein Kerl dient ein Jahr und hat genau dieselbe Distinction wie wir … es ist eine Ungerechtigkeit!“ (S. 24)

Waffenbesitz

Gustls zeigt das starke Bedürfnis, zu der Gemeinschaft („wir“) der elitären Gruppe der Berufsoffiziere dazuzugehören. Da jedoch die gesellschaftliche Vorrangstellung nicht mehr an die Zugehörigkeit zum Adel gebunden ist, bedarf es anderer Kriterien, welche die Berufsoffiziere über den Rest der Bevölkerung erheben und ihren Sonderstatus sichtbar machen können.

In diesem Zusammenhang ist zum einen das äußere Erscheinungsbild der Offiziere bedeutsam, das ganz auf kriegerisches Gebaren abzielt: Neben der Uniform ist es insbesondere der Besitz von Waffen, der die Offiziere von der Zivilbevölkerung unterscheidet. Diese Waffen werden deshalb auch demonstrativ zur Schau gestellt. Der Säbel hat dabei stets griffbereit zu sein, da ein Offizier bei Ehrenkränkung und Beleidung jederzeit daz...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen