Rezension

Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ sorgte nicht nur für einen der größten kommerziellen Erfolge des österreichischen Schriftstellers, sondern kann auch in künstlerischer Hinsicht als eines seiner versiertesten Werke eingestuft werden. Deshalb verwundert es nicht, dass die Erzählung bereits kurz nach ihrem Erscheinen sowohl in der Presse als auch bei Schriftstellerkollegen euphorische Reaktionen hervorgerufen hat. So vermerkt auch Schnitzler in seinem Tagebuch, dass „Fräulein Else“ überall „stärkste Wirkung“ erzielt und von „allen Seiten Elogen“ erhalten habe.

Diese durchweg positive Resonanz ist diesbezüglich vor allem darauf zurückzuführen, dass Schnitzler hier nach seiner über 20 Jahre zuvor erschienenen Novelle „Lieutenant Gustl“ erneut auf die innovative Erzähltechnik des inneren Monologs zurückgreift, die es ihm ermöglicht, den Leser direkt und unmittelbar mit den unzensierten Gedanken und Gefühlen einer jungen Frau des Wiener Bürgertums am Anfang des 20. Jahrhunderts zu konfrontieren.

Mit großem psychologischen Gespür lässt Schnitzler somit den Leser an den Gedanken Elses, ihrer Einsamkeit und zunehmenden Verzweiflung teilhaben. Im Vergleich zu „Lieutenant Gustl“ treibt Schnitzler seinen Versuch, das Unterbewusstsein eines Menschen zur Darstellung zu bringen, hier sogar noch weiter, indem er nicht nur den Inhalt von Elses Traum, sondern auch die Gedanken der Sterbenden im Erzählverfahren simultan wiedergibt. Wo die Sprache im Moment der größten seelischen Not versagt, hat Schnitzler zur Veranschaulichung von Els...

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