Else und ihre Familie

Entfremdung von Bruder und Mutter

Während die Beziehung zu ihrem Bruder Rudi früher recht eng gewesen ist, fühlt Else sich in den letzten Jahren auch von ihm zunehmend entfremdet: „Wie ich sechzehn war und er einundzwanzig, da waren wir eine Zeitlang geradezu befreundet. Von einer gewissen Lotte hat er mir viel erzählt. Dann hat er plötzlich aufgehört. Diese Lotte muss ihm irgendetwas angetan haben. Und seitdem erzählt er mir nichts mehr“ (S. 11); „Und Rudi war sogar vier Wochen auf Reisen. Weiß Gott wo. Nicht zweimal geschrieben hat er“ (S. 22). Else kann letztlich nur Oberflächlichkeiten von ihm berichten – zum Beispiel, dass er wie ein „Aristokrat“ aussieht und plant, im nächsten Jahr in Rotterdam in einer Bank zu arbeiten (vgl. S. 20).

Noch schlechter gestaltet sich Elses Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie immer wieder vor allem wegen ihrer Dummheit kritisiert: Demnach merkt sie kritisch an, dass ihre Mutter „einen furchtbaren Stil“ (S. 11) schreibe, „dumm“ (S. 7, 39) und nicht „gescheit genug“ sei, „von niemandem was weiß“ (S. 23), und demzufolge auch über eine nur unzureichende Menschenkenntnis verfügen würde.

Auch Elses Tante Emma erweist sich am Ende als gänzlich unfähig, Else zu verstehen: Ohne Mitgefühl und nur auf die Wahrung ihres Ansehens und des gesellschaftlichen Scheins bedacht, möchte sie Else sogleich in eine „Anstalt“ (S. 73) einweisen lassen.

Nähe zum Vater

Else scheint zu ihrem Vater noch das beste Verhältnis zu haben. Die beiden Figuren weisen nicht nur in Bezug auf ihre intellektuellen Fähigkeiten Ähnlichkeiten auf, sondern vor allem auch hinsichtlich ihrer Leidenschaftlichkeit und Sprunghaftigkeit, die beide den Rahmen der gesellschaftlichen Normen immer wieder überschreiten lässt. Diese gemeinsame Basis führt dazu, dass ihr Vater sie wenigstens hin und wieder versteht. Dementsprechend zeigt sich „[m]anchmal“ in seinem „Blick“ eine „Ahnung“ von ihren tieferen Gefühlen; zu Elses großem Bedauern bleiben diese Momente des Erkennens jedoch immer „ganz flüchtig“ (S. 47).

Elses Einsamkeit und Isolation

Hieraus wird ersichtlich, dass Elses Familie nicht von dem Zusammenhalt und dem Zugehörigkeitsgefühl bestimmt wird, die Else sich so sehr ersehnt: „Jeder hat eigentlich Angst vor dem andern, jeder ist allein. Die Mama ist allein, weil sie nicht gescheit genug ist und von niemandem was weiß, nicht von mir, nicht von Rudi und nicht vom Papa. Aber sie spürt es nicht und Rudi spürt es auch nicht“ (S. 23).

Else ist sich jedoch dieser existenz...

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