Else und die Sexualität

Sehnsucht nach Abenteuer

Sexualität und Erotik spielen an zahlreichen Stellen der Novelle eine entscheidende Rolle. Demnach stehen Elses Wunsch nach Anpassung, Sicherheit und der Wahrung der Fassade eines „vornehme[n] Fräulein[s]“ (S. 38) ihre ungezügelte Leidenschaft und Sinnlichkeit gegenüber, die sich in der Sehnsucht nach einem amourösen Abenteuer entlädt: „Wirklich unternehmend war eigentlich mir gegenüber noch niemand. Höchstens am Wörthersee vor drei Jahren im Bad. Unternehmend? Nein, unanständig war er ganz einfach. Aber schön. Apoll von Belvedere. Ich hab’ es ja eigentlich nicht ganz verstanden damals. Nun ja mit – sechszehn Jahren“ (S. 10).

Außerdem stellt Else bedauernd fest, dass ihr Cousin Paul bei einem Spaziergang im Wald nicht „etwas unternehmender“ (S. 10) war – auch wenn es ihm dann „übel ergangen“ (S. 10) wäre, da Else durchaus um die gesellschaftliche Gepflogenheit des Sich-Zieren-Müssens weiß und diese wohl auch zu befolgen bereit war.

Diese unverfänglichen Liebschaften waren jedoch bloße spielerische Verliebtheiten ohne weitere Folgen: „Ich bin nicht verliebt. In niemanden. Und war noch nie verliebt […] Ich glaube, ich kann mich nicht verlieben“ (S. 6). Selbst für ihren Verehrer Fred, an den sie im Laufe ihres inneren Monologs immer wieder denkt, empfindet sie keine tieferen Gefühle. Zwar ist Fred ihrer Aussage nach nicht nur „der Einzige“, der sie „wirklich gern hat“ (S. 57), sondern auch der „einzig anständige Mensch“ (S. 50), den sie je kennenlernen durfte. Gleichzeitig jedoch steht gerade diese Anständigkeit Elses Wunsch nach (sexueller) Freiheit und Abenteuer entgegen: „Ach, Fred ist im Grunde nichts für mich. Kein Filou!“ (S. 20).

Luder, aber keine Dirne

Als Ziel von Elses Begierde erscheint somit der Filou bzw. Matador – wie beispielsweise der „schöne Schwarze mit dem Römerkopf“ (S. 10) –, der ihr ein abwechslungsreiches und abenteuerliches Leben verspricht: „Ach Gott, ich hab nichts gegen Filous, im Gegenteil“ (S. 10). In ihren sinnlichen Träumen (vgl. S. 38) imaginiert sich Else folglich „nackt auf dem Marmor“ (S. 6) ihrer Villa liegend und sich einer Vielzahl von Verehren und Liebhabern hingebend: „Ein Luder will ich werden, wie es die Welt noch nicht gesehen hat“ (S. 56).

Im Gegensatz zur „Dirne“, die ihren Körper verkauft und sich damit dem gesellschaftlich Zwangssystem unterordnet, wäre sie als „schamlos[es]“ (S. 59) Luder dazu in der Lage, ihren Körper zu „verschenken“, und zwar an denjenigen, den sie sich hierfür ausgesucht hat. Gerade im Liebesspiel möchte sich Else folglich die spielerische Freiheit wahren, die im Gegensatz zu dem Fremdbestimmtsein inmitten der gesellschaftlichen Wirklichkeit steht: „Nein. Alleine möchte ich am Meer liegen auf den Marmorstufen und warten. Und endlich käme einer ...

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