Doppelmoral

Elses Ehre

In „Fräulein Else“ werden das gesellschaftliche Milieu und die herrschenden Konventionen ihrer Entstehungszeit klar umrissen und zur Disposition gestellt: Insbesondere steht hier die Unberührtheit der unverheirateten Tochter auf dem Prüfstand, die sich der Widersprüchlichkeit ausgesetzt sah, einerseits den Männern gefallen zu sollen, diese aber nicht an sich heranlassen zu dürfen.

Auf diese Weise wird die Ehre bzw. der Verlust der Ehre zu einem entscheidenden Motiv erhoben: Elses Eltern muten ihrer Tochter einen Ehrverlust zu, um die Schulden des Vaters zu begleichen: Sie soll ihren Körper und damit auch ihre Ehre dazu verwenden, um den Vater zu retten. Grundbedingung hierfür ist selbstverständlich, dass die Öffentlichkeit nichts von diesem Ehrverlust mitbekommt. Wichtig ist demzufolge nicht, dass moralisch gehandelt wird, sondern dass ein unmoralisches Verhalten nicht in die Öffentlichkeit dringt. Auf diese Weise werden die Moral als Scheinmoral und der Ehrbegriff als rein veräußerlicher entlarvt.

Besonders evident wird dies in dem Verhalten von Elses Eltern, die es billigend in Kauf nehmen, dass ihre Tochter sich prostituiert, um auf diese Weise den drohenden Skandal zu verhindern, der...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen