Schnitzler und die Psychoanalyse

Psychoanalyse

Der Umstand, dass sich die Künstler der „Wiener Moderne“ mit Vorliebe den Regungen des menschlichen Seelenlebens widmeten, hängt sehr stark mit den philosophischen und psychologischen Erkenntnissen jener Zeit zusammen. Neben dem Philosophen Ernst Mach (1838–1916), der in seinem berühmten Werk „Die Analyse der Empfindungen“ den für die „Wiener Moderne“ zentralen Gedanken des „unrettbaren Ichs“ geprägt hat, ist es ins…

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Es, Ich, Über-Ich

Freud, der die Vorgänge in der menschlichen Psyche systematisch beschreibbar machen wollte, unterschied in diesem Zusammenhang zwischen den drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich. Diesbezüglich sah Freud das Ich zwischen die beiden Pole des Es und Über-Ich verortet.

Während das Es das triebhafte Element der Psyche bildet, in dem Triebe (wie z. B. Hunger, Sexualtrieb) sowie Bed…

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Traumanalyse

Freud kam seinem Ziel, dem Unbewussten des Menschen nachzuspüren, vor allem durch die Analyse von Träumen näher: In seinem 1900 veröffentlichten Buch „Traumdeutung“ legt er diesbezüglich dar, dass der Traum für ihn ein Schlüssel ist, mit dem sich die Tür zum Unbewussten des menschlichen Seelenlebens öffnen lässt.

Nach Freud werden in den Träumen nicht nur die Ängste und Probleme des Tages verarbeitet; vor allem zeigen sich in ihnen auch die verdrängten oder verborgenen Wünsche des M…

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Hysterie

Gebärmutter und Sexualisierung

Neben der Traumanalyse wandte sich Freud verstärkt dem Phänomen der Hysterie zu, mit dem er sich insbesondere in seinen „Studien über Hysterie“ (1895) und in seiner Abhandlung „Bruchstück einer Hysterie-Analyse“ (1905) auseinandersetzte.

Forschungen zur Hysterie wurden bereits in der Antike durchgeführt: So interpretiert Hippokrates die Hysterie als eine organische Krankheit, deren Ursprung im Uterus (Gebärmutter) liegen würde. Daher leitet sich auch der Name des Krankheitsbildes ab, der sich auf den griechischen Ausdruck hystera/ustera zurückführen lässt, der übersetzt Gebärmutter bedeutet. Damit galt die Hysterie schon sehr früh als eine spezifisch weibliche Erkrankung.

Auch wenn mit den zunehmend wissenschaftlichen Theoriebildungen seit Mitte des 18. Jahrhunderts die Überzeugung die Oberhand gewann, dass die Hysterie ihre Ursache nicht in der Gebärmutter habe, sondern wohl durch eine Funktionsstörung des Gehirns verursacht wird und beide Geschlechter gleichermaßen treffen kann, konnte die „Sexualisierung“ der Hysterie nie vollständig überwunden werden.

Der moderne Begriff der hysterischen Neurose etablierte sich in den Jahren zwischen 1880 und 1910, zumal in dieser Zeitspanne die westliche Welt geradezu von einer Epidemie hysterischer Symptome überschwemmt wurde. Nicht nur Ärzte, sondern auch Historiker, Schriftsteller und andere gesellschaftlich interessierte Berufe registrierten und diskutierten in den Krisen des „Fin de Siècle“ eine hysterische Welle.

Freuds…

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Schnitzlers „Mittelbewusstsein“

Schnitzler zeigte sich zwar einerseits von Freuds Erforschung des Unbewussten fasziniert, andererseits stand er der Psychoanalyse auch mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Insbesondere die von Freud verwendeten Begrifflichkeiten beurteilte er mit kritischer Distanz. Somit interessierte ihn weniger das Unbewusste des Menschen, das seiner Ansicht nach nicht zur dichterischen Darstellung gebracht werden kann, weil es zu tief in der Psyche verborgen und demnach auch für die Sprache nicht greifbar ist.

Demgegenüber bevorzugt Schnitzler den Begriff des „Mittelbewuss…

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