Merkmale der Novelle in „Fräulein Else“

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„Fräulein Else“ als Novelle

Die unerhörte Begebenheit

Die generellen Merkmale der Novelle finden sich auch in Schnitzlers Erzählung „Fräulein Else“ wieder, die eine mittlere Länge aufweist und bereits im Untertitel die Gattungsbezeichnung „Novelle“ trägt. Wie für eine Novelle charakteristisch, steht auch hier eine „unerhörte Begebenheit“ im Mittelpunkt. Diese mündet in einen zentralen Konflikt, durch den Elses Leben eine radikale Wendung erfährt.

In „Fräulein Else“ besteht diese unerhörte Begebenheit, welche die Protagonistin in einen großen seelischen Zwiespalt treibt, in der suggestiv formulierten Bitte ihrer Mutter, den reichen Kunsthändler Dorsday um 30.000 Gulden zu bitten, nachdem der Vater das Geld veruntreut und bei Spekulationen an der Börse verloren hat. Da die persönliche Anreise ihres Vaters nicht länger gedauert hätte als die Ankunft des Expressbriefs, muss Else erkennen, dass ihre Eltern ihr in diesem Handel die Rolle als Tausch- und Lustobjekt zugedacht haben.

Eine zusätzliche Pointe bildet der Umstand, dass Dorsday seine Hilfe an die Bedingung bindet, dass Else sich ihm eine Viertelstunde lang nackt zeigen solle. Diese Degradierung zum Lustobjekt, die nach Elses Empfinden mit einem vollständigen Verlust ihrer Selbstbestimmung einhergehen würde, stürzt sie in einen noch größeren inneren Konflikt: Ruhelos wird Else fortan von der Frage nach möglichen Handlungsalternativen in dieser desolaten Situation umgetrieben.

Die Handlung der Novelle …

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Formale Neuerungen der Novelle

Der innere Monolog

In formaler Hinsicht besteht die geforderte Neuartigkeit der Novelle darin, dass Schnitzler hier nach „Lieutenant Gustl“ noch einmal eine Erzählung nahezu vollständig als inneren Monolog gestaltet hat. Diese Erzähltechnik wurde im Vergleich zu Schnitzler erster Novelle aber noch einmal zuspitzt und radikalisiert.

Während das Selbstgespräch Gustls nur durch die beiden kurzen – wenngleich dramaturgisch sehr bedeutsamen – Dialoge mit dem Bäckermeister und dem Kellner unterbrochen wird, sind in „Fräulein Else“ deutlich mehr Dialoge in Elses innere Selbstauseinandersetzung integriert. Diese sind auch typografisch von der autonomen Gedankenrede der Protagonistin abgesetzt und damit deutlich markiert.

Demnach gibt es neben der inneren auch eine verstärkt zutage tretende äußere Handlung, die letztlich zu einer Doppelung von Elses Innenperspektive führt: Else nimmt sich selbst wahr, fühlt sich aber zugleich auch der ständigen Beobachtung durch andere ausgesetzt. Beide Ebenen sind diesbezüglich dergestalt miteinander verflochten, dass die äußere Handlungsebene Elses Gefühlsleben beeinfluss…

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