Elses Eltern

Der Vater

Spielsucht und Börsenspekulation

Elses Vater ist ein erfolgreicher und angesehener Rechtsanwalt, der von verschiedenen Seiten als „Genie“ bezeichnet wird (vgl. S. 31, 40). Diese Position trägt maßgeblich zum Wohlstand und zur angesehenen gesellschaftlichen Stellung der Familie bei. Andererseits ist er derjenige, der die Familie in Schulden stürzt und sie in eine existenzielle finanzielle Notlage bringt: Seit mehr als „sieben Jahren“ (S. 15) verprasst er regelmäßig beim Kartenspiel und mit waghalsigen Börsenspekulationen (vgl. S. 20, 40) große Geldbeträge.

Bislang konnte der Vater sich dank der finanziellen Unterstützung von Familie und Kollegen (vgl. S. 12) immer wieder aus der Affäre ziehen: „Vor anderthalb Jahren war es ja fast schon so weit. Da kam noch Hilfe. Aber einmal wird sie nicht kommen“ (S. 20). Nachdem er nach der letzten Rettungsaktion seiner Familie eine Erklärung unterschreiben musste, „dass er niemals wieder an die Verwandten […] herantreten wird“ (S. 12), scheint seine jetzige Situation in der Tat nun nahezu ausweglos: Er hat für seine Börsenspekulationen „Mündelgelder veruntreut“ (S. 40, vgl. auch S. 13f.) und wird im Falle, dass er das entwendete Geld nicht binnen drei Tagen zurückzahlen kann, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Damit erweist sich Elses Vater als ein von seiner Leidenschaft und seiner Spielsucht bestimmter Mensch, der das Wohl seiner Familie wissentlich aufs Spiel setzt.

Scheinhaftigkeit und Verantwortungslosigkeit

Der Vater führt eine scheinhafte Existenz und ist letztlich auch nicht dazu imstande, authentische und tiefergehende Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen – weder zu seiner Familie: „Jeder hat eigentlich Angst vor dem andern, jeder ist allein“ (S. 23)), noch zu vermeintlichen Freunden: „Papa hat so viele beste Freunde gehabt und in Wirklichkeit keinen“ (S. 14). Aus diesem Grund ist Else auch davon überzeugt, dass ihr Vater ihre Mutter schon des Öfteren betrogen hat: „Ach, lieber Papa, du machst mir viel Sorgen. Ob er die Mama einmal betrogen hat? Sicher. Öfters“ (S. 7).

Im Gegensatz zu seiner Tochter Else, die angesichts der desolaten finanziellen Situation der Familie verzweifelt, scheint ihr Vater negative Gefühle so gut wie möglich von sich fernhalten zu wollen: „Kann Papa überhaupt verzweifelt sein?“ (S. 14), „Und der Papa ist auch immer gut aufgelegt. Immer? Nein. O nein. In der Oper neulich bei Figaro sein Blick, – plötzlich ganz leer – ich bin erschrocken. Da war er wie ein ganz anderer Mensch. Aber dann haben wir im Grand Hotel soupiert und er war so glänzend aufgelegt wie nur je“ (S. 15f.).

Folglich ist der  Vater beständig darum bemüht, seine innere Leere zu verdecken und den Schein der glücklichen und ehrenhaften Familie zu wahren: „Alles in unserem Haus wird mit Scherzen erledigt, und keinem ist scherzhaft zumut“ (S. 23), „Wer möchte mir das ansehn? Niemand sieht mi...

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