Dorsday

Der vermögende und unzufriedene Kunsthändler

Dorsday, der wie Fräulein Else als Gast im Berghotel Fratazza im Südtiroler Kurort San Martino di Castrozza weilt, ist ungefähr 50 Jahre alt, sieht aber nach der Einschätzung Elkes „noch immer ganz gut aus mit dem graumelierten Spitzbart“ (S. 8). Sein Geld verdient Dorsday mit der Arbeit als Kunsthändler. Der Handel mit wertvollen Kunstwerken scheint sehr einträglich zu sein. Beispielsweise soll er allein durch den Verkauf eines Gemäldes des flämischen Malers Rubens „achtzigtausend verdient haben“ (S. 13).

Der reiche Dorsday ist ein alter Freund von Elses Familie, der Elses Vater schon einmal mit einem nicht unbedeutenden Geldbetrag ausgeholfen hat (vgl. S. 13). Er scheint Elses Mutter dafür prädestiniert zu sein, in der jetzigen finanziellen Notlage einzuspringen, nachdem Elses spielsüchtige Vater Mündelgelder veruntreut hat und kurz vor der Verhaftung steht: „dreißig bedeuten für Dorsday auch keinen Betrag“ (S. 13).

Trotz seines Reichtums scheint Dorsday dennoch nicht wirklich mit seinem Leben zufrieden zu sein. Nach Aussage von Elses Mutter soll er „in ziemlich festen Banden sein“, allerdings soll es sich bei seiner Geliebten um „nichts sehr Feines“ (S. 12) handeln. Offensichtlich stammt diese Frau aus einer eher weniger angesehenen Familie.

Überdies scheint diese Beziehung für ihn auch nicht wirklich befriedigend zu sein, wenn er sich vor Else als einen Mann beschreibt, „der ziemlich einsam und nicht besonders glücklich ist“ (S. 36). Als wie authentisch diese Aussage zu bewerten ist, lässt sich allerdings nur schwer beantworten, da er mit dieser Selbststilisierung vor allem „Nachsicht“ für sein unsittliches Benehmen einfordern möchte.

Scheinhaftigkeit

Grundsätzlich kann Dorsday als ein Mensch charakterisiert werden, dem es weniger um Authentizität, sondern viel mehr in erster Linie um die Aufrechterhaltung des äußeren Scheins geht. Besonders deutlich zeigt sich dies in seinen Bemühungen, seine jüdische Herkunft zu verschleiern.[1] Da er aus der Stadt „Eperies“ (S. 18) stammt, die bis 1919 zu Ungarn gehörte, handelt es sich beim ihm wohl um einen ungarischen Juden. Darauf verweist auch Elses ironische Anmerkung, er könnte „ebensogut mit alten Kleidern handeln wie mit alte...

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