Zeit

Der Zeitdruck

Zeit spielt in der Novelle „Fräulein Else“ eine dominierende Rolle. Die vorherrschende Eile wird bereits durch die Wahl der Verständigungsmittel deutlich: Elses Mutter schickt ihre Tochter einen „Expressbrief“ und wenig später noch ein „Telegramm“, durch welche die Dringlichkeit ihres Anliegens unterstrichen wird: „Fürcht ich mich am Ende vor Mamas Brief? Nun, Angenehmes wird er wohl nicht enthalten. Express!“ (S. 6).

Verschärft wird die La…

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Erzählzeit und erzählte Zeit

Neben der Einheit der Handlung (ein Handlungsstrang, keine Nebenhandlungen, siehe Abschnitt „Aufbau und Inhalt“) werden im geschlossenen Drama die Einheiten der Zeit (spielt innerhalb von 24 Stunden) und des Ortes (keine oder nur wenige Ortswechsel) gewahrt. Diese drei Einheiten sind auch in „Fräulein Else“ vorhanden.

Im Text finden sich immer wieder konkrete Zeit- und Ortsangaben, die eine genauer…

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Schwierige Bestimmung der Jahreszahl

Schwieriger verhält es sich mit der genauen Bestimmung der Jahreszahl, die im Text nicht genannt wird. Folglich ist man darauf angewiesen, anhand von indirekten Hinweise zu einer möglichen Datierung des Geschehens und einer genaueren zeitlichen Verortung zu gelangen.

Den wichtigsten Hinweis liefert wohl der Umstand, dass Else im Alter von 13 Jahren eine Aufführung der Oper „Manon“ von Jules Massenets in Wien gesehen hat. Die Hauptrollen wurden hier von den seinerzeit sehr berühmten Sängern Ernest van Dyck und Marie Renard gesungen (vgl. S. 6.). Wenn man ernst nimmt, dass hier auf eine historische Inszenierung an der Wiener Hofoper von 1890 verwiesen wird, er…

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Rückblicke

Die äußere Handlung, die aus der Erzählung des Geschehnisse im Berghotel besteht, schreitet zwar chronologisch voran, aber in der inneren Handlung, die aus Elses Gedankenstrom besteht, bricht jedoch immer wieder die Chronologie durch.

Zum einen wird die Chronologie durch Erinnerungen durchbrochen, die immer wieder vor Elses innerem Auge auftauchen und dam…

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Vorausdeutungen, Anspielungen und Zeitwechsel

Des Weiteren wird die Chronologie durch Vorausdeutungen bzw. Prolepsen durchbrochen. So können beispielsweise die schon sehr früh eingestreuten Hinweise auf das Schlafmittel Veronal, mit dem sich Else am Ende töten wird, als Vorausdeutung auf den Tod der Protagonisten gedeutet werden: „Ich werde heute Veronal nehmen“ (S. 9), „Die Schachtel Veronal hab ich bei den Hemden“ (S. 21).

Ebenso deuten Elses Anspielungen auf ihren möglichen Unfalltod hin: „Achtgeben, dass ich nicht hinunterstürze. […] Natürlich würde es heißen, ich hätte mich umgebracht“ (S. 11)) oder ihr Traum, in dem sie sich selbst als Tote sieht (vgl. S.43f.), auf ihren Tod voraus.

Bede…

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Frequenz

Im Hinblick auf die Zeitgestaltung lässt sich in einem Erzähltext neben dem Erzähltempo und der Chronologie auch die Frequenz analysieren. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, wie oft ein Ereignis stattfindet und wie oft es erzählt wird. Folglich geht es hier um das Verhältnis der Wiederholungshäufigkeit von Ereignissen.

In der Regel handelt es sich in Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ um ein singulatives Erzählen: Die meisten Ereignisse passiere…

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