Farbsymbolik

Hell und Dunkel

Von entscheidender Bedeutung für die stilistische Gestaltung der Novelle ist die Farbsymbolik, welche die gesamte Novelle durchzieht. Häufig wird hierdurch Elses seelische Verfassung widergespiegelt.

Zu Beginn der Novelle, das heißt vor der Ankunft des Expressbriefs, wird der Abend von Else noch als „[h]immlisch[…]“ (S. 7) bezeichnet. Besonders positiv hervorgehoben wird hierbei der „rote[…] Glanz“, der auf dem Berg Cimone liegt: „Paul würde sagen: Alpenglühen“ (S. 7). Diese helle, glanzvolle Stimmung verdüstert sich zunehmend analog zu Elses seelischer Verfassung: Nachdem sie den Brief gelesen hat und nunmehr um eine Entscheidung ringt, verweist sie auf die hereinbrechende Dunkelheit, die als Sinnbild für ihre innere Verdüsterung und ihren baldigen Tod betrachtet werden kann: „Beinah schon dunkel. Nacht. Grabesnacht“ (S. 17).

Verzweifelt versucht Else, die zunehmende Verdunkelung durch das Anzünden des Lichtes etwas zurückzudrängen: „Ich muss Licht machen“ (S. 19). Der hereinbrechenden Kälte, die ebenfalls als Symbol für ihre innere Erstarrung eingestuft werden kann, erwehrt sie sich durch das Schließen des Fensters: „Kühl wird es. Fen…

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Elses Kleidung

Neben der Hell-Dunkel-Symbolik, die den zeitlichen Ablauf des Geschehens prägt, ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Farbsymbolik von Elses Kleidung zu nennen: Beim Tennisspiel zu Beginn der Novelle trägt Else entsprechend ihrer heiteren Stimmung einen „rote[n] Sweater“ (S. 5, 6). Die bunten Kleidungsstücke weichen jedoch mit der allmählichen Zuspitzung der Ereignisse eher einer dunkel gefärbten Kleidung: Zum Abendessen überlegt Else zunächst, ihr blaues (vgl. S.17) beziehungsweise ihr grünes Kleid anzuziehen (vgl. S. 18), um sich dann aber schließlich doch für ein schwarzes Kleid zu entscheiden: „Heut wär vielleicht das Schwarze richtiger“ (S. 17), „Das Schwarze zieh ich an“ (S. 18).

Zu bedenken ist hierbei, dass sie diese Farbe zunächst nicht als Ausdruck …

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Rot und Weiß

Darüber hinaus trägt die Farbsymbolik dazu bei, Elses widersprüchliches Streben nach (sexueller) Selbstbestimmung einerseits und gesellschaftlicher Anerkennung andererseits zu veranschaulichen. Diese Ambivalenz und innere Zerrissenheit werden mithilfe der beiden Farben Rot und Weiß veranschaulicht: Else trägt zu Beginn der Novelle einen roten Pullover; zudem wird des Öfteren auf ihre roten Lippen beziehungsweise ihren „blutrote[n] Mund“ (S. 62) verwiesen.

Mit Rot als Farbe der Sinnlichkeit und Ero…

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Der Marmor

Der Marmor spielt zudem eine Rolle in den erotischen Fantasien Elses. So taucht an verschiedenen Stellen die Vorstellung auf, sie würde nackt auf jenen Marmorstufen liegen: „Villa an der Riviera. Marmorstufen ins Meer. Ich liege nackt auf dem Marmor“ (S. 6), „Oder ich wohnte in einer Villa am Meer, und wir lägen auf den Marmorstufen, die ins Wasser führen, und er hielte mich fest in seinen Armen und bisse mich in die Lippen […]. Nein. Allein möchte ich am Meer liegen auf den Marm…

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