Erwachsenwelt: Die Planetenbewohner

Durch die Begegnung des kleinen Prinzen mit den sonderbaren Planetenbewohnern kritisiert der Autor das Verhalten der Erwachsenen indirekt. Er entwirft Stereotype von Erwachsenen, mit denen er ein bestimmtes Verhalten überspitzt kennzeichnet. Die Planetenbewohner sind die ersten Erwachsenen, denen der kleine Prinz auf seiner Reise begegnet.

Die Befehle des Königs

Zunächst trifft der kleine Prinz auf einen machtverliebten König. Er regiert und muss zu absolut jeder Zeit befehlen. Der König hält sich zwar für mächtig, doch er besitzt keine Macht. Er ist allein auf seinem Planeten und lebt in einer Illusion.

Der König sieht in dem kleinen Prinzen einen Untertanen, denn für ihn sind alle Menschen Untertanen. Als der kleine Prinz gähnt, verbietet der König ihm dies, obwohl er gar nichts dagegen hat, doch "es verstößt gegen die Etikette, in Gegenwart eines Königs zu gähnen" (S. 50). Als der kleine Prinz sagt, dass er es nicht verhindern kann, versucht der König, einen anderen Weg zu finden: "Dann [...] befehle ich dir zu gähnen!" (S. 51). An dieser Szene zeigt sich, dass der König keine Niederlage seiner vermeintlichen Autorität akzeptieren will. Die Macht des Königs wird als lächerlich dargestellt.

Der König ist jedoch so vernünftig, dass er nur das befiehlt, was passieren kann. Er befiehlt beispielsweise einen Sonnenuntergang nur dann, wenn die Sonne gerade untergeht. Daraus leitet sich seine Herrscherweisheit ab: "Man muss von jedem fordern, was er leisten kann" (S. 54).

Im Verlauf der Unterhaltung zeigt sich, dass sich der König in erster Linie einsam fühlt, denn er bittet den kleinen Prinzen, nicht abzureisen und stattdessen Justizminister zu werden. Doch der kleine Prinz lehnt ab. Im Augenblick des Aufbruchs des kleinen Prinzen macht der König ihn zu seinem Gesandten. Mit dieser Handlung verliert er nicht ganz die Kontrolle über eine Situation, die er nicht befohlen hat und die auf der freien Entscheidung des kleinen Prinzen beruht. Er will auch die Abreise des kleinen Prinzen als Erfolg seiner Macht bewerten können.

Die Episode über den König ist eine Parabel über das Wesen der Macht. Ein König ohne Untertanen ist natürlich eine Absurdität, und zwar selbst dann, wenn er vernünftig wäre. Mit der Figur des Königs parodiert Antoine de Saint-Exupéry das Verhalten der Kategorie machthungriger Erwachsenen, die alles unter Kontrolle haben wollen und immer Befehle erteilen.

Die Lobrede des Eitlen

Dem einsamen Eitlen begegnet der kleine Prinz auf dem zweiten Planeten, den er besucht. Der Eitle findet in dem kleinen Prinzen sein Gegenstück, denn "für die Eitlen sind die anderen Leute Bewunderer" (S. 59). Der kleine Prinz weiß nicht, was 'bewundern' bedeutet, und der Eitle erklärt es ihm mit den folgenden Worten: "Bewundern heißt zu erkennen, dass ich der schönste, der bestangezogene, der reichste und der intell...

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