Das politische Bild

Vorboten des Dritten Reiches

Die sozialen Missstände am Ende der 1920er Jahre waren der Nährboden für nationalistisches Gedankengut. Arbeitslosigkeit, Prostitution und Alkoholismus sind weit verbreitet, wie sich auch an Biberkopf und seinem Umfeld erkennen lässt. Er ist zwar offenkundig völlig apolitisch: „Franz Biberkopf, der die Politik zum Deibel schickt“ (S. 320), aber die großen politischen Veränderungen seiner Zeit gehen auch nicht spurlos an ihm vorüber.

Als ehemaliger Soldat des Ersten Weltkriegs singt Biberkopf „Die Wacht am Rhein“ aus voller Überzeugung in einem Hof (S. 17) und später dann in der Kneipe von Henschke (S. 99). Dort kommt es auch zu einer Auseinandersetzung mit den linksorientierten Besuchern, die beinahe in eine Schlägerei ausartet. Dabei kommt heraus, dass er früher einmal den linken Gruppierungen angehört hat.

Sein Verkauf von völkischen Zeitungen ist kein politisches Statement seinerseits, sondern bietet ihm die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Daher versteckt er oft auch seine Binde, wenn er nicht arbeitet, und gibt den Verkauf zugunsten eines Handels mit Kurzwaren und Schnürsenkeln auf, der ihm in der Vorweihnachtszeit ein besseres Einkommen beschert. Eigentlich ärgert sich Biberkopf deshalb so über die Linken, weil sie nach einer Revolution streben. Er möchte nur seine „Ruhe“ (S. 102) und Respekt vor seinem Dienst als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Dass Biberkopf eher unpolitisch ist, zeigt sich auch an den Zeitungen, die er selbst liest. Hier bevorzugt er die Mottenpost und die Grüne Post, die ihm am besten gefallen, „weil da nichts Politisches drinsteht“ (S. 259).

Biberkopf besucht er auch öfter die Juden, gegen die er nichts hat, „Er hat nichts gegen die Juden, aber er ist für Ordnung“ (S. 88). Er sympathisiert eine Zeit mit der militaristischen Stahlhelm-Organisation „und ihre Führer auch, das ist was“ (S. 88) und bekennt sich dazu, Hakenkreuzler zu sein (S. 101). Ob bei den Nazis etwas...

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