Erzähler und Erzähltechnik

Der allwissende Erzähler

Der unabhängige auktoriale Erzähler ist außerhalb der von ihm dargestellten Welt positioniert. Er ist nicht in die Handlung involviert und damit ein heterodiegetischer Erzähler. Er tritt im Roman als registrierende Instanz auf und schildert, was in der Großstadt geschieht. Er führt den Leser durch die Handlung und verfügt über die Macht, das Geschehen zu kommentieren und zu unterbrechen. 

Der allwissende Erzähler behält den souveränen Überblick über das gesamte Geschehen. Er verfügt sowohl über die Inneneinsicht als auch die Außensicht bezüglich der handelnden Personen. Daher kann er die Gedanken oder Gefühle der Protagonisten im Handlungsverlauf schildern und deuten. Hierbei kann er sich auch als Kommentator, Vorausdeuter und Berichterstatter in das Geschehen einmischen.

Der Erzähler kennt das frühere Leben der Hauptperson Franz Biberkopf und er weiß auch, was es mit ihm geschehen wird. Das lässt er in die Einleitungen zu den verschiedenen Büchern und Kapiteln in seine Vorausdeutungen einfließen, und zwar schon beim ersten Buch: „Hier im Beginn verläßt Franz Biberkopf das Gefängnis Tegel, in das ihn ein früheres sinnloses Leben geführt hat. Er faßt in Berlin schwer wieder Fuß, aber schließ lich gelingt es ihm doch, worüber er sich freut, und er tut nun den Schwur, anständig zu sein.“.

Der Kameramann und Berichterstatter

An manchen Stellen wird die Perspektive des Lesers wie durch eine Kameralinse betrachtet und dieser an eine bestimmte Situation und einen bestimmten Ort herangeführt. Damit unterstützt der Erzähler erzähltechnisch Biberkopfs Verstecken und hilft dem Leser, ihn in Berlin zu finden – im Gegensatz zu Meck und Lina, die ihn nicht entdecken können. So wird der Leser nach dem überhasteten Auszug von Biberkopf nach dem Betrug durch Lüders nach und nach vom Alexanderplatz durch die Münzstraße zum Rosenthaler Tor geführt (S. 135) und es werden allgemein die Wohnhäuser in Berlin beschrieben: „In den Straßen steht Haus bei Haus. Die sind vom Keller bis zum Boden mit Menschen voll. Unten sind die Läden. […] Über den Läden und hinter den Läden aber sind Wohnungen, hinten kommen noch Höfe, Seitengebäude, Quergebäude, Hinterhäuser, Gartenhäuser.“ (S. 135-136).

Biberkopf wohnt nach dem Betrug durch Lüders nun in der Linienstraße und der Erzähler beschreibt in allen Einzelheiten das Wohnhaus, seine Bewohner und das dort untergebrachte Schuhgeschäft und die Rechtskanzlei von Löwenhund (S. 136-140). Im folgenden Kapitel wird nun Biberkopf beschrieben, wie er in seiner Wohnung liegt, lethargisch ist und im Rausch halluziniert (S. 140-143), womit die Heranführung abgeschlossen ist.

Auch die Darstellung der Zeit, in der Biberkopf in der Irrenanstalt Buch lieg...

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