Alfred Döblin

Alfred Döblin wird am 10. August 1878 als viertes von fünf Kindern des Schneidermeisters Max Döblin und seiner Frau Sophie in Stettin geboren. Als Alfred erst 10 Jahre alt ist, zieht die jüdische Familie 1888 nach Berlin, und zwar ohne den Vater, der sie verlassen hat. Alfred wächst nachfolgend in der Großstadt Berlin auf und besteht das Abitur auf dem Köllnischen Gymnasium. Döblin schreibt im gleichen Jahr seinen ersten größeren Prosatext mit dem Titel Modern. Ein Bild aus der Gegenwart und seinen ersten Roman Jagende Rosse.

Als er 22 Jahre alt ist, beginnt er ein Medizinstudium, das er 1905 als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie abschließt. Er arbeitet in den nächsten Jahren zuerst als Assistenzarzt in verschiedenen Berliner Krankenhäusern und verfasst In diesen Jahren seine ersten wissenschaftlichen Publikationen in medizinischen Fachzeitschriften. Von 1911 bis 1933 ist er er als Kassenarzt für Nervenkrankheiten in Berlin beschäftigt.

Im Jahr 1912 heiratet er die Medizinstudentin Erna Reiss, mit welcher er schon ein uneheliches Kind hat. Drei weitere Söhne erhält das Paar später (1915, 1917 und 1926). 1914 meldet er sich freiwillig als Militärarzt zum Einsatz im Ersten Weltkrieg.

Schon vor dem Krieg hat Döblin mit seiner literarischen Tätigkeit angefangen, und zwar parallel zu seiner Tätigkeit als Nervenarzt. Er verfasst seine erste Erzählsammlung Die Ermordung einer Butterblume (veröffentlicht in 1913), und ist 1910 Mitgründer der Zeitschrift Der Sturm. Seine Romane Die drei Sprünge des Wang-Lun (1915), der sich der Philosophie des Taoismus widmet, Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine (1918) und Wallenstein (1920) lassen ihn als Vertreter der expressionistischen Literatur erscheinen.

Nach dem Ende des Kriegs kehrt Döblin 1918 nach Berlin zurück und ist politisch sehr aktiv. Er befürwortet während der Novemberrevolution die Position der USPD[1] und von 1921 bis 1927 ist er Mitglied der SPD.  Er lässt 1919 unter dem Pseudonym „Linke Poot“ politische und zeitgeistkritische Artikel in der Neuen Rundschau erscheinen. Er arbeitet 1920 als Theaterkorrespondent für das „Prager Tageblatt“ und beendet 1924 seinen Zukunftsroman Berge, Meere und Giganten, in welchem er seine Zukunftsvisionen nachzeichnet.

Ab 1925 beteiligt sich der Schriftsteller an der „Gruppe 1925“, einem Zusammenschluss linksliberaler und kommunistischer Autoren, wie Robert Musil, Joseph Roth und Bertolt Brecht. Im Jahr 1928, in dem er fünfzig wird, wird er als Mitglied in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. Ein Jahr später erscheint sein Roman Berlin Alexanderplatz, der ein großer Erfolg wird.  Der Großstadtroman macht ihn berühmt und wird schon zwei Jahre später verfilmt.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 siedelt er aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach Paris über, wo er bis 1940 bleibt. Er erhält 1936 die französische Staatsbürgerschaft. In seinem Exil in Paris ist er sehr aktiv. Er leistet intensive Mitarbeit in jüdischen Organisationen. Nach dem Kriegsausbruch 1939 wird er im französischen Informationsministerium angestellt. Er verfasst auch mehrere Romane, Babylonische Wanderung (1934) und Pardon wird nicht gegeben (1935), sowie den ersten Band der Amazonas-Trilogie Die Fahrt ins Land ohne Tod (1937).

Döblin flüchtet 1940 vor den deutschen Truppen über Spanien und Lissabon in die Vereinigten Staaten, wo er als schlecht bezahlter Drehbuchautor in Hollywood arbeitet. 1941 konvertiert er vom Judentum zum Katholizismus. Im November 1945 kehrt er nach Deutschland zurück. Er lässt sich in Baden-Baden nieder und zieht drei Jahre später nach Mainz.  Sein Werk findet zu dieser Zeit in Deutschland kaum Beachtung.  Enttäuscht zieht er im Jahr 1953 wieder nach Paris. Sein nächster Roman Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende (1956) wird wieder ein bedeutender Erfolg. Er stirbt, 79 Jahre alt, am 28. Juni 1957 nach langer Krankheit in Emmendingen bei Freiburg im Breisgau.

 


[1] Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

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