Kapitelzusammenfassung

Alfred Anderschs Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ erzählt die Geschichte von fünf Personen, deren Lebenswege sich  an einem Herbsttag im Jahr 1937 in dem kleinen Fischerdorf Rerik eher zufällig kreuzen: Es ist die Rettung des „Lesenden Klosterschülers“, einer Holzskulptur in der Kirche von Rerik, die von dem Dorfpfarrer Helander initiiert  wird und die die Protagonisten zusammenführt. Weil die Skulptur von den Nazis als „entartet“ degradiert und verboten wurde, muss sie nach Schweden in Sicherheit gebracht werden.

Obwohl alle Personen zunächst sehr isoliert für sich leben, beteiligen sich am Ende alle an der gefährlichen Rettungsaktion. Das Thema der Flucht und der Bedrohung der eigenen Freiheit ist auch für die Beteiligten selbst von großer Wichtigkeit: Judith muss als Jüdin vor den Nazis fliehen. Als Mitglieder einer kommunistischen Partei sind der Parteifunktionär Gregor und der Fischer Knudsen ebenfalls von dem Nazi–Regime bedroht. Gleichzeitig fühlen sie sich von ihrer eigenen Partei eingeengt und in ihrem Leben beschränkt. Auch Pfarrer Helander setzt mit der Rettungsaktion der Skulptur ein Zeichen des Widerstands und damit auch sein eigenes Leben aufs Spiel. Der Junge, Fischerlehrling bei  Knudsen, sehnt sich danach, aus seinem eintönigen Leben in Rerik ausbrechen zu können, um endlich etwas Neues, Abenteuerliches zu erleben. Die Rettung des „Lesenden Klosterschülers“ hat am Ende für jede der Personen eine individuelle, symbolische Bedeutung und verhilft ihnen zu ihrer je individuellen Freiheit.

Andersch erzählt seine Geschichte in 37 Kapiteln, die nach einer besonderen Struktur angeordnet sind. Mit der tabellarischen Kapitalzusammenfassung wird dem Leser nicht nur ein optimaler Überblick über die gesamte Handlung verschafft, sondern der Gesamtaufbau des Romans lässt sich dadurch auch sehr klar und verständlich nachvollziehen. Das Erzählverfahren, das Andersch einsetzt, erfolgt simultan. Aufgrund der Verdichtung der Handlung auf nur einen Ort und der Zeitspanne von 24 Stunden ist es umso wichtiger, den Überblick über die gesamte Handlung zu behalten. Hierbei helfen die präzisen Angaben der jeweils auftretenden Figuren und die des Ortes und der Zeit zu jedem einzelnen Kapitel. Der Leser kann sich damit in dem Werk bestmöglich orientieren.

Referenzbuch: Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund. Diogenes Verlag 1970

Die gesamte Handlung des Romans spielt an einem Tag und der darauffolgenden Nacht (27 Stunden) im Herbst 1937 in Rerik. Gegen Ende der Handlung ist das Geschehen auf der Ostsee Richtung Schweden und in Schweden situiert.

​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​Kapitel: 1. „Der Junge“

Seite: 7

Ort: An dem Fluss Treene unter einer Weide

Zeit: Herbst 1937

Personen: Der Junge

Inhalt: Unter einer Weide an einem Fluss sitzend liest der Junge in dem Roman „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ von Mark Twain. Er träumt davon, genau wie der Romanheld aus seinem Alltag auszubrechen. Seine Träume versetzen ihn nach Amerika, wo er in Gedanken eine abenteuerliche Kanufahrt auf dem Mississippi erlebt. Anders als sein Vater will er seinen Traum tatsächlich verwirklichen und aus Rerik abhauen.

Kapitel: 2. „Gregor“

Seite: 7

Ort: Auf einem Weg in den Ort Rerik

Personen: Gregor

Inhalt: Gregor nähert sich Rerik auf seinem Fahrrad. Die sich vor ihm ausbreitende Landschaft stellt er sich als eine Art Theaterkulisse vor. Doch seine Fantasie wird durch das Gefühl des Bedrohtseins gestört. Er denkt an eine mögliche Flucht über die Ostsee von Rerik nach Schweden. Er weiß, dass das Gelingen einer Flucht von der Gunst der Menschen abhängt.

Kapitel: 3. „Der Junge“

Seite: 9

Ort: An der Treene unter einer Weide

Personen: Der Junge

Inhalt: Der Junge sitzt immer noch unter der Weide und denkt weiterhin über eine Flucht aus Rerik nach. Er überlegt, wie es Huckleberry Finn angestellt hat. Anstatt in die Wälder zu gehen, hat sich dieser für die Flucht über den Mississippi entschieden. Aber anders als in Amerika gibt es in Rerik nicht einmal richtige Wälder, in die man fliehen könnte. Der Junge will Rerik um jeden Preis verlassen. Er benennt einen ersten Grund dafür: In Rerik passiert nichts.

Kapitel: 4. „Helander“

Seite: 9

Ort: Helanders Studierzimmer

Personen: Helander

Inhalt: Helander, der Pfarrer von Rerik, sitzt in seinem Studierzimmer und fühlt eine große Einsamkeit und Leere. Er versucht vergeblich, die Leere durch Gebete zu besiegen, und wartet auf ein Zeichen Gottes. Doch das Zeichen erscheint ihm nicht. Er denkt an seine Vorfahren aus Schweden, die im Gegensatz zu ihm in einem fröhlichen Land lebten. Der Stumpf seines amputierten Beines schmerzt in letzter Zeit stärker. Er macht sich auf den Weg, um den Fischer Knudsen im Kampf „gegen den gemeinsamen Feind“ (S. 11) – die Nazis – um Hilfe zu bitten. Obwohl er mit Knudsen im Streit liegt, ist sich Helander sicher, dass Knudsen ihm bei dieser Sache helfen wird.

Kapitel: 5. „Der Junge“

Seite: 12

Ort: An einem Fluss unter einer Weide

Zeit: 14.30 Uhr

Personen: Der Junge

Inhalt: Der Junge denkt an seine eintönige Arbeit als Fischerlehrling bei Knudsen. Anders als der Vater des Jungen wagt sich Knudsen nie raus auf die offene See. Er denkt an das Schicksal seines Vaters, der auf offener See ertrunken ist. Die Leute in Rerik behaupten, dass er betrunken gewesen sei. Nach seinem Tod wurde ihm keine Gedenktafel errichtet. Der Junge sieht darin Neid und Missgunst der Menschen. Dies ist für ihn der zweite Grund, weswegen er Rerik verlassen möchte.

Kapitel: 6.  „Knudsen“

Seite: 12

Ort: Knudsens Wohnung, Knudsens Garten

Zeit: 15 Uhr

Personen: Knudsen, Bertha

Inhalt: Knudsen sitzt aufgebracht in seinem Zimmer und legt sich zur Beruhigung eine Patience. Er ist Mitglied in der kommunistischen Partei. Ihm wurde ein Treffen mit einem Parteiinstrukteur angekündigt. Er weiß nicht, ob er zu dem Treffen erscheinen soll. Knudsen überdenkt seine Situation und fühlt sich wie in einer Sackgasse: Er ist mittlerweile der einzige verbliebene Parteigenosse in Rerik und fühlt sich der Partei gegenüber verpflichtet. Andererseits hat er Angst, dass „die Anderen“, die Nazis, ihn verdächtigen, wenn er nicht zum Fischen ausfährt. Dazu kommt, dass seine Frau Bertha geisteskrank ist und von den Nazis in die Anstalt gebracht werden könnte. Er weiß, dass „die Anderen“ ihn politisch ruhigstellen, indem sie seine Frau bei ihm lassen. Er geht in den Garten, wo seine Frau Bertha sitzt, die ihm wieder den Witz vortragen muss, den sie ihm schon seit Jahren erzählt. Während Bertha ihm seinen Proviant fertig macht, denkt er weiter über seine Situation nach.

Kapitel: 7. „Der Junge“

Seite: 17

Ort: An der Treene unter einer Weide

Personen: Der Junge

Inhalt: Der Junge denkt an seinen Vater und überlegt, ob dieser doch ein Trinker gewesen sein könnte. Er realisiert, dass er nur wenig Erinnerungen an ihn hat, da der Vater ums Leben kam, als der Junge fünf Jahre alt war. Plötzlich sieht er das Schicksal seines Vaters aus einer neuen Perspektive: vielleicht hat der Vater ja deshalb getrunken, weil er immer auf das offene Meer hinausfahren musste.

Kapitel: 8. „Judith“

Seite: 17

Ort: Im Gästezimmer der Gaststätte „Wappen von Wismar“ in Rerik

Personen: Judith

Inhalt: Die Jüdin Judith Levin ist im Gästezimmer im Wirtshaus „Wappen von Wismar“ angekommen. Sie überdenkt die letzten Ereignisse, die sie zu der Flucht nach Rerik bewegt haben: Zunächst wollte sie den Rat ihrer Mutter, nach Rerik zu fliehen, nicht befolgen, da sie sich unter keinen Umständen von ihr trennen wollte. Doch, als sich ihre Mutter tödlich vergiftet, tritt Judith ihr Erbe an und macht sich auf den Weg nach Rerik, um mit einer Fähre nach Schweden zu gelangen.

Kapitel: 9. „Der Junge“

Seite: 21

Ort: An einem Flussufer unter einer Weide/auf dem Weg zum Hafen

Personen: Der Junge

Inhalt: Der Junge ärgert sich. Seine Mutter hat das Boot des Vaters verkauft, um damit Schulden zu begleichen. Er weiß, es würde Jahre dauern, bis er sich selbst ein Boot würde leisten können. Wenn er das Boot noch hätte, könnte er endlich wie Huckleberry Finn in See stechen. Er vergleicht seine Fähigkeiten mit denen seines Romanhelden und stellt eine Gemeinsamkeit fest: Wie Huckleberry Finn kann er sich verstecken und fischen. Während sich der Junge in Richtung Hafen begibt, denkt er darüber nach, dass es noch einen dritten Grund für seine Flucht aus Rerik gibt.

Kapitel: 10. „Gregor“

Seite: 21

Personen: Gregor

Inhalt: Gregor ist beeindruckt von den Türmen Reriks, als er sich dem Ortseingang nähert. Er fühlt sich von den Türmen beobachtet und befürchtet, dass auch die Menschen in Rerik seinem politischen Anliegen äußerst skeptisch gegenüberstehen werden und eine Flucht schwierig sein könnte. Er erinnert sich an die Stadt Tarasovka, die er, als er in der Roten Armee war, mit eingenommen hatte. Doch der Sieg über die Stadt ließ ihn unberührt. Bereits während seiner Ausbildung an der Lenin-Akademie, so wird Gregor jetzt klar, hatte er zum ersten Mal das Gefühl, sich emotional und gedanklich von der Partei abgewendet zu haben.

Kapitel: 11. „Der Junge“

Seite: 25

Ort: Auf Knudsens Kutter

Personen: Der Junge

Inhalt: Während der Junge Knudsens Kutter mit Benzin betankt, denkt er daran, dass es reichen würde, um bis nach Malmö zu gelangen. Da er die Seekarte der Gegend im Kopf hat, wäre es für ihn einfach, mit dem Kutter dorthin zu fahren. Wieder denkt er an seinen Vater und bemerkt, dass die Mutter diesen wohl genauso wenig gemocht hatte wie die übrigen Leute in Rerik. Er kommt auf den Gedanken, dass es die Ideen seines Vaters gewesen sein müssen, weshalb ihn die Bewohner Reriks nicht mochten.

Kapitel: 12. „Helander – Knudsen“

Seite: 25

Ort: Im Hafen von Rerik

Zeit: Zwischen 15 und 16 Uhr

Personen: Helander, Knudsen

Inhalt: Helander sucht Knudsen auf seinem Fischkutter auf. Knudsen stellt erstaunt fest, dass er nach vier Jahren das erste Mal wieder mit dem Pfarrer spricht. Damals, als die Nazis an die Macht kamen, hatte der Pfarrer seine Parteizugehörigkeit verspottet. Als Knudsen ihn daraufhin aufmerksam machte, dass niemand von den Nazis verschont bleiben würde, hatte Helander ihm seine Hilfe angeboten, falls es nötig werden sollte.

Jetzt aber bittet Helander ihn um Hilfe: Er solle in der Nacht die Holzfigur „Lesender Klosterschüler“ zu einem befreundeten Propst nach Skillinge/Schweden bringen. Die Figur steht auf der Liste der „entarteten Kunstwerke“ der Nazis. Doch Knudsen schlägt ihm seinen Wunsch aus. Helander erkennt, dass Knudsen für niemanden mehr etwas tun möchte. Nicht mal für seine Partei würde Knudsen Helanders Bitte erfüllen, da er den Glauben an die Partei verloren...

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