Charakterisierung Der Junge

Biographischer Hintergrund

Die Figur des Jungen hat auffällige Besonderheiten: Anders als die weiteren Figuren des Romans trägt der Junge keinen Vornamen. Er ist nur in drei Kapiteln aktiv in das Handlungsgeschehen involviert. Die übrigen Kapitel beschreiben seine Gedankengänge und Reflexionen in Form eines inneren Monologs. Dem Jungen ist immer je ein Kapitel nach denen der anderen Figuren gewidmet. Die Kapitel des Jungen sind in kursiver Schrift gehalten.

Über das Aussehen des Jungen erfährt der Leser nichts. Der Junge ist 15 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter in Rerik. Sein Vater, Hinrich Mahlmann, ist gestorben, als der Junge fünf Jahre alt war. Dieser hat als Fischer gearbeitet und ist eines Tages auf offener See tödlich verunglückt. Die Bewohner Reriks sagen ihm nach, dass er getrunken habe und deshalb über Bord gegangen sei. Als Fischer hat der Vater einen eigenen Kutter besessen. Um Schulden zurückzahlen zu können, hat die Mutter ihn nach seinem Tod verkauft. Der Junge selbst hat keine Erinnerungen an seinen Vater. Ein einziges Foto besitzt er von diesem, was er jedoch nicht mag, da der Vater darauf aussieht wie jeder beliebige Fischer in Rerik.

Abenteuerroman als Flucht aus der Langeweile in Rerik

Seit der Junge an Ostern die Schule abgeschlossen hat, ist er Lehrling bei Knudsen, dem Küstenfischer. Die tägliche eintönige Arbeit bei Knudsen macht dem Jungen keinen Spaß. Darum hat er für sich eine andere Welt entdeckt: Er liest leidenschaftlich gerne Abenteuerromane. Besonders der Romanheld Huckleberry Finn aus Tom Sawyers gleichnamigem Roman hat es ihm angetan. Hier findet er das, was er in Rerik nicht hat: ein abenteuerliches und freies Leben.

Für den Jungen ist das Leben in Rerik voll Monotonie und Eintönigkeit. Darum hat er sich mit den Abenteuerromanen eine fiktive Welt konstruiert, in die er sich flüchtet. Auf einem Speicher in einer alten Gerberei hat er sich ein Versteck geschaffen, in das er sich zurückziehen und in seine Bücherwelt eintauchen kann: „Der Junge lebte seit dem Frühjahr hier oben, in jeder Stunde, die er von zu Hause weg konnte“ (S. 81).

Der Junge und sein Vater: Sehnsucht nach Abenteuer

Gerade auf dem Weg zum Erwachsenwerden befindet er sich in einer schwierigen Lage. Er sucht nach Halt und Orientierung in seinem Leben. Neben der Eintönigkeit und gefühlten Langeweile, die das Leben für ihn in Rerik ausmachen, beschäftigten ihn sehr der Tod und die Trunksucht seines Vaters.

Er hadert mit der Vorstellung, dass sein Vater ein Säufer gewesen sein soll und sein Tod seiner trunkenen Unvorsichtigkeit zuzuschreiben sein könnte: „War es nicht gerade umgekehrt, wie sie behaupteten? Fragte er sich; trank Vater etwa, weil er auf die offene See hinaus mußte?“ (S. 17).

Er nimmt den Vater vor sich und seiner Mutter in Schutz. Er verachtet die Menschen in Rerik dafür, dass sie seinen Vater aufgrund seiner Trinkerei zum Säufer stigmatisieren. Als Einziger hat sein Vater im Dorf nach seinem Tod keine Gedenktafel an der Kirchenwand erhalten.

Anders als die übrigen Menschen in seinem Umfeld sucht der Junge nach Gründen, warum sein Vater getrunken haben könnte und findet ähnliche Motive, die auch ihn beschäftigen: Sein Vater wollte wie er aus Rerik raus und etwas Neues erleben. Darum hat er sich als einziger Fischer in Rerik auf die offene See gewagt: „Er war gestorben, weil er nie etwas zu sehen gekriegt hatte. Seine sinnlosen, betrunkenen Fahrten auf die offene See waren Ausbrüche aus seiner Welt gewesen, ...

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