Charakterisierung Helander

Der einsame Pfarrer

Helander ist der evangelische Pfarrer in Rerik. So wird Helander durch die Augen des Fischers Knudsen beschrieben: „Ein großer schlanker Mann, mit einem heftigen, geröteten Gesicht, mit einem schmalen schwarzen Bart über dem Mund, einen schwarzen Bart, in den sich graue Fäden mischten, mit den blitzenden Gläsern einer randlosen Brille vor den Augen, kristallisch blitzend in dem leidenschaftlich, eine Neigung zum Jähzorn verratenden Gesicht über einen schwarz gekleideten Körper, der sich ein wenig über den Stock krümmte“ (S. 27).

Helanders Vorfahren kamen einst aus Schweden. Die Erinnerung an Schweden wecken in ihm positive Gefühle. Für ihn ist es das Land, indem die Menschen freundlich sind und in einer friedlichen Umgebung mit bunt gestrichenen Häusern leben. Deutschland hingegen ist für ihn das Gegenteil. Hier sind die „Gedanken so dunkel und maßlos (...) wie die Steinwände der Kirchen“ (S. 11). Besonders im Angesicht des herrschenden Terrors des Naziregimes erscheint Deutschland für Helander als das Land der Unterdrücker. Selbst seine Glaubensbrüder haben sich mit dem Regime der Nazis arrangiert, sodass Helander mit seinem Glauben an Freiheit und Demokratie allein dasteht.

Helander lebt in Rerik allein, da seine Frau und das gemeinsame Baby bei der Geburt verstarben. Helander war seit diesem Erlebnis nicht mehr mit einer Frau zusammen und führt ein asketisches Leben. Er hat seitdem das Gefühl, ein ewig Wartender zu sein: „Immer habe ich auf etwas gewartet, aber es kam nicht. Ich habe oft unter der Askese gelitten, aber wenn ich ehrlich bin, war es besser, allein zu sein. Ich habe keine Frau mehr getroffen, die ich hätte heiraten wollen, und so war es besser, allein zu sein und ein bisschen unter der Askese zu leiden“ (S. 148).

Sein Theologiestudium musste er unterbrechen, als er im Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Die Zeit des Krieges hat bei ihm physische und psychische Folgen hinterlassen. Als Soldat hat er aus der Schlacht bei Verdun 1916 ein amputiertes Bein davongetragen. Der Beinstumpf schmerzt wieder zunehmend, und auch sein Diabetes macht Helander zu schaffen. Eine erneute Operation könnte nicht durchgeführt werden. Obwohl ihm sein Arzt nur vorsichtig mit der Realität konfrontiert, weiß er, dass seine Tage gezählt sind.

Direkt und einfühlsam

Obwohl Helander körperlich gebrechlich ist, erzählt Knudsens Eindruck auch etwas über die temperamentvolle, direkte Art des Pfarrers, der sagt, was er denkt: „Das war stark, dachte Knudsen, immer sehr direkt, der Herr Pfarrer. Der Pfaffe. Ein Pfaffe mit einem geraden Maul“ (S. 26).

Helander hat einen klaren, analytischen Geist. Dies zeigt sich darin, dass er Menschen, Situationen und Zusammenhänge schnell durchschaut. So bemerkt er beispielsweise, als Knudsen ihn belügt, oder warum die Situation zwischen Knudsen und Gregor so angespannt ist: „Nichts stimmte zwischen diesen beiden, dachte der Pfarrer. Knudsen haßt diesen Mann, den ihm seine Partei gesandt hat. (...) Ach so, dachte der Pfarrer, darum handelt es sich also. Das war es, was zwischen den beiden spielte: ein kleines Drama aus Angst, aus Depression, aus Zersetzung. (…) Diese beiden hatten Angst und sie hatten es sich eingestanden – daher der Haß zwischen ihnen. Ein heuchlerischer Haß“ (S. 56-57).

Er erkennt, dass Knudsen ihm nicht allein aus Angst nicht bei der Rettung des „Lesenden Klosterschülers“ helfen will, sondern weil er von seiner Partei tief enttäuscht ist: „Das war es also. Helander begriff plötzlich Knudsens Weigerung. Seinen Haß gegen die Partei, weil sie versagt hatte. Sein schlechtes Gewissen, weil er nun die Partei haßte“ (S. 31). So sieht Helander auch klar, dass ihm der baldige Tod so oder so bevorsteht: entweder aufgrund seiner körperlichen Gebrechen oder durch die Hand der Nazis. Doch vorher hat er noch eine Aufgabe zu erfüllen.

Der lesende Klostersch...

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